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Ruodi Li

Ruodi Li ist Solocellistin der Violoncelli bei den Hamburger Symphonikern seit 2015.

Ich hätte nicht gedacht, wie schwierig das mit dem Siezen und Duzen sein kann. Ich bin in Beijing zur Welt gekommen. In Asien siezt man ältere Menschen automatisch. Hier bieten mir die älteren Kollegen jedoch das Du an – und ich muss mich immer wieder daran erinnern, damit ich sie nicht trotzdem ständig sieze.

Die Hamburger Symphoniker verändern sich gerade, ältere Musiker gehen, neue kommen. Ich denke, diese Mischung macht zurzeit den spirit aus: Es gibt die Erfahrung der älteren Kollegen, die noch da sind, und es gibt die Frische und die neuen Ideen von uns jungen. Ich muss sagen: Diejenigen, die schon lange im Orchester sind, freuen sich immer sehr, wenn neue dazukommen. Sie haben viel Geduld, ein großes Herz und nehmen alle gerne bei sich auf. Nur an das Duzen muss ich mich eben gewöhnen. Aber das schaffe ich schon!

2006 kam ich aus China nach Deutschland. Und erst vor wenigen Wochen wurde ich eingebürgert. Eigentlich das Einzige, was sich praktisch durch die Einbürgerung ändert, ist, dass ich ein Visum für China brauche. Aber ich mag Deutschland und möchte hier bleiben. Hier ist die klassische Musik auf höchstem Niveau, vielleicht dem höchsten in der Welt. 

Mit vier Jahren habe ich angefangen, Cello zu spielen, meine musikalische Ausbildung begann ich, als ich elf war. Von 2006 an habe ich bei Prof. Gert von Bülow an der Hochschule für Musik und Theater Rostock studiert, 2012 den Master-Studiengang bei Prof. Frans Helmerson an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin abgeschlossen und dann knapp zwei Jahre im Konzerthausorchester in Berlin gespielt. Hamburg kannte ich deshalb nur von der Durchreise. Und ehrlich gesagt hat der Hauptbahnhof keinen tollen Eindruck bei mir hinterlassen. Aber als ich vor zwei Jahren meine neue Stelle bei den Hamburger Symphonikern antrat, fand ich die Stadt gleich sehr schön, besser als Berlin, grüner und entspannter. Kulturell ist Berlin reicher, Hamburg braucht noch etwas Schwung, aber das machen wir ja jetzt.

Ich finde es spannend zu sehen, worin sich die Art Musik zu machen hier und in meiner Heimat unterscheidet: In China betrachten viele die Musik als Beruf. Das ist eine eher ernste Sache; wer ein Instrument gut spielen kann, verdient damit eben sein Geld. Hier in Deutschland macht es mehr Spaß, hier machen viele ihr Hobby zum Beruf. Diese Haltung beeinflusst mich – man kann in seinem Beruf glücklich sein.

Mein Cello wurde 1780 von Giovanni Battista Guadagnini gebaut, seit 2011 wird es mir von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt, worüber ich mich sehr freue. Das Cello ist ein sehr besonderes Instrument, finde ich. Am liebsten mag ich die tiefe C-Saite. Sie hat so viel Volumen, sie gibt mir ein Gefühl der Sicherheit, mit ihr hat man immer beide Füße auf dem Boden. Seit Mai bin ich Solocellistin der Violoncelli. Das ist eine große Verantwortung, die ich gern angenommen habe. Ich habe die Erfahrung gemacht: In den Proben gibt es gute und schlechte Momente. Doch im Konzert vergisst man das, was vielleicht nicht gut lief, und es wird oft ganz toll. Nur ein Beispiel: In der vergangenen Saison haben wir in einem Kammerkonzert Tschaikowskys Serenade gespielt. Für ein Kammerkonzert war es eine große Besetzung, unser toller Konzertmeister Adrian Iliescu hat die Leitung übernommen und zugleich mitgespielt. Wir hatten wenig Zeit und keinen Dirigenten, der vorne steht. Es ist ein schwieriges Stück, in den Proben lief es nicht so gut. Doch dann war es im Konzert wie noch nie! Auch das Publikum hat wohl gemerkt, dass wir ein gemeinsames Ziel hatten und dass alle Musiker ihre Kraft dafür gaben.

An solchen Situationen sieht man, dass das Orchester auf einem guten Weg ist. Dass im November jemand wie Daniel Barenboim als Solist zu uns kommt, zeigt, dass wir uns ein Ansehen erarbeitet haben. Toll ist auch, dass wir in diesem Orchester immer wieder in kleinen Besetzungen spielen können – etwa in den Kammer- oder Lunchkonzerten. Ich liebe es, wenn das Publikum ganz nah dran ist. Sie hören alle immer sehr aufmerksam zu, in den Gesichtern sehe ich Faszination und Begeisterung. Das verbindet, das sind Momente, die mich berühren. Dann ist ein Lunchkonzert wie ein Weihnachtskonzert zu Hause in der Familie. Und nach dem Konzertende kommen die Zuhörer manchmal zu uns und erzählen mit Freude von ihren Eindrücken.

 

Die in Beijing geborene Cellistin Ruodi Li begann ihre musikalische Ausbildung mit elf Jahren und studiert seit 2006 bei Prof. Gert von Bülow an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. 2012 schloss sie ihren Master-Studiengang bei Prof. Frans Helmerson an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin ab. 2015 absolvierte sie ihr Meisterklassenexamen bei Prof. Peter Bruns an der HMT Leipzig.

Sie ist Stipendiatin der Horst Rahe Stiftung in Zusammenarbeit mit dem DAAD. Sie konzertierte mehrmals mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock, dem Polnischen Kammerorchester, der Hangzhou Philharmonie China sowie mit dem Lviv Philharmonie Orchester. Darüber hinaus gastierte sie mit verschiedenen Ensembles mehrfach in der Schweiz und in Kanada.

Beim Mykola Lysenko International Musik Wettbewerb in der Ukraine gewann sie 2007 den Ersten Preis. 2009 erhielt sie den Zweiten Preis des 55. Internationalen Musik Wettbewerb „Maria Canals“ in Barcelona und den 3. Preis des Internationalen Joseph Haydn Kammermusik Wettbewerb in Wien (1. und 2. Preis wurden nicht vergeben). 2010 gewann sie das Stipendium des Bundespräsidenten zur Förderung Junger Musiker beim Felix Mendelssohn-Bartholdy-Wettbewerb in Berlin und den 3. Preis des Beijing Internationale Musik Wettbewerb (1.Preis wurde nicht vergeben). 2014 gewann sie den 3. Platz beim Internationalen Wettbewerb PACEM IN TERRIS in Bayreuth (Kategorie: Violine und Cello).

Ruodi Li spielte ein Cello von Joseph Guadagnini (1780), das ihr 2011 von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt wurde. Zur Zeit spielt sie einen Nachbau dieses Cellos von Geigenbauer Ragnar Hayn (Berlin).

Ruodi Li erleben Sie in diesen Konzerten

Donnerstag, 27. April 2017
7. Kammerkonzert     19.30     Laeiszhalle, Kleiner Saal
Hans-Jürgen Schatz, Rezitation
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Ruodi Li, Violoncello
Olena Kushpler, Klavier
Fantasiestücke

Schumann
Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63
Fantasiestücke für Klaviertrio op. 88
Hoffmann
„Kreisleriana“ (Auszüge)
 
 
Dienstag, 13. Juni 2017
10. Lunchkonzert     12.30     Brahms-Foyer in der Laeiszhalle
Hovhannes Baghdasaryan, Violine
Nina Ziermann, Violine
Bruno Merse, Viola
Ruodi Li, Violoncello
Teatime-Classics

Verzehr von Speisen ist möglich. Der Eintritt ist frei!