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Das 6. Kammerkonzert

 

Die Bearbeitung von drei kleineren Werken des Böhmen Antonín Dvořák ist vergleichsweise jung: 2003 schrieb Andreas N. Tarkmann die Fassung für Bläseroktett, die einen Kontrabass ad libitum, also „nach Belieben“ vorsieht. Je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner bilden hier den Bläserklang.

Das erste Stück, ein Rondo in g-Moll, basiert auf Dvořáks Opus Nummer 94 für Cello und Klavier, das der Böhme später selbst auch für Cello und Orchester bearbeitete. Seine Romanze für Violine und Orchester op. 11 wiederum ist Grundlage für das zweite, eine Romanze in f-Moll. (Das Andante con moto aus dem fünften von Dvořáks Streichquartetten klingt hier ebenfalls durch.) Mit der Mazurek in e-Moll, die als Opus Nummer 49 für Violine und Klavier ursprünglich dem Virtuosen Pablo de Sarasate gewidmet war, schließt die Reihe dieser Drei Konzertstücke.

In den 1920er Jahren sorgte der französische Komponist Jacques Ibert für Verwirrung unter den Genre-Puristen. In eine musikalische Schublade gesteckt zu werden, war ihm verhasst. Natürlich stand er den Vorläufern der in seiner Kinderzeit gegründeten Group des Six nahe. Aber auch der Impressionismus und der Neoklassizismus spielen in seinem oft virtuosen Werk eine Rolle. Unter anderem bei Gabriel Fauré studierte der 1890 in Paris Geborene kurz vor dem Ersten Weltkrieg am Pariser Conservatoire, 1919 erhielt er den Prix de Rome. Seine Bedeutung für das hauptstädtische Musikleben ist groß; Ende der 1950er Jahre war er Verwaltungsdirektor der beiden Pariser Opernhäuser.

Sein dreisätziges Konzert für Violoncello und Blasorchester steht deutlich unter dem Einfluss des Neoklassizismus der 1920er Jahre. 1923 für Roland Manuel geschrieben, ist die Besetzung natürlich sehr besonders: Ein Solo-Cello samt reiner Bläserbegleitung. So ist das dreisätzige Werk (die Satzfolge ist auf dem Papier eher barock) durchaus mutig. Auch wenn Ibert damals nicht der einzige war, der mit ungewöhnlicher Instrumentation experimentierte, ist sein formsprengender Gestus spürbar. Dafür sorgt nicht zuletzt die verspielte Trompete. Wie Ibert, seines Zeichens auch Film- und Opernkomponist, das Solo-Cello in Szene setzt, ist sehr gekonnt.

Wenn die Rede ist von Dvořáks Serenade, ist meist sein Opus Nummer 22 (E-Dur für Streichorchester) gemeint. Das Werk in d-Moll für Bläser (plus tiefem Streicherklang) ist weniger allgegenwärtig. Jedoch nicht weniger ausdrucksstark. Und auch sie reicht zur langen Tradition der Serenade zurück, die zahllose Komponisten des 19. Jahrhunderts, nicht nur Hartmann und Dvořák, schätzten – die recht freie Suitenform hatten Haydn und Mozart zur Blüte geführt. Und die Bläserserenaden des Salzburgers hatte Dvořák dann auf einer Wienreise im Jahr 1877 kennengelernt. Einige Passagen können die Nähe zum großen Vorbild kaum kaschieren. In nur zwei Wochen schrieb er dieses Werk, das einen für den Komponisten typischen Bogen schlägt von Klassik über Volksmusik zur Romantik. Als Einleitung ein Marsch, der darauf verweist, dass auch im 18. Jahrhundert eine Serenade meist mit diesem Schreittanz begann und endete. Das folgende Menuett basiert auf zwei tschechischen Volkstänzen: Die gemächliche Sousedská und der schnelle Furiant. Im Andante erleben wir gewissermaßen einen träumenden Mozart. Und das Finale ist furios. Die Melange der Volksmusiken treibt Dvořák hier auf die Spitze. Am Schluss schmettern beeindruckende Horntriolen.