Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Elgar: „Falstaff“

Edward Elgar

* 2. Juni 1857 in Broadheath (England), † 23. Februar 1934 in Worcester

„Falstaff“ – Symphonische Studie in c-Moll Op. 68

Entstehung: 1913
Uraufführung: 1913 beim London Musical Festival
Spieldauer: ca. 26 Minuten

 

Eine weitere Möglichkeit, aus Worten Musik zu machen, ist eine spätromantische. Vor allem Richard Strauss war ein Meister von Tondichtungen, in denen meist der Lebensweg eines Helden nachgezeichnet wird: Mithilfe von Leitthemen greift die Musik Stimmungen, Kämpfe, Kon ikte und Lösungen auf. Edward Elgar wählte diese Form, um die Figur des Falstaff in Szene zu setzen.

Sir John Falstaff, den Shakespeare in den Heinrich-Dramen sowie in „Die lustigen Weiber von Windsor“ auftreten ließ, ist ein in der Regel etwas plumper, komischer Kerl, ein wohlbeleibter Soldat, stets zu Gelagen und Raufereien aufgelegt. Sein Schicksal: Hat er dem Prinzen Heinrich zunächst bei der Thronbesteigung geholfen, wird er von diesem nachher verspottet und muss vereinsamt sterben.

Elgar formt diese story in vier Hauptabschnitte und zwei Traumepisoden. Er bemerkte selbst, einige Zeilen aus Shakespeares Stücken seien „hier und dort unter den Themen zu nden, um das Gefühl anzudeuten, das die Musik vermitteln soll“. Allerdings sei seine Absicht nicht, „die Bedeutung der Musik, die oft variiert und intensiviert wird, lediglich auf die unmittelbar aus diesen Zeilen folgende zu verengen“. Dass er das Werk symphonic study – und nicht etwa symphonic poem – nennt, ist dennoch eine Verschleierung: Wie bei Strauss oder Liszt üblich nutzt er einprägsame Themen, um Figuren und Stimmungen wiederkehren zu lassen.

Neben dem umfangreichen Schlagwerk fällt der üppige Einsatz des Holz‘ auf, das zumeist die Aufgabe hat, für ein komisches Element in der Musik zu sorgen. Und doch sollte uns dies nicht täuschen: Elgars Falstaff ist nicht in erster Linie ein Komiker wie er gemeinhin gesehen wird. Er ist eine tragische Figur. Shakespeares Personal ist ja nie eindimensional. Und aus Sicht des Komponisten spiegelt sich in Falstaff das „gesamte menschliche Leben“. Entsprechend komplex ist die Form dieses Werkes.

Die letzten Takte sind düster: Falstaff stirbt, sein Gegenpart König Heinrich triumphiert. Aus Künstlersicht ist das traurig: Der Mann der Fantasie geht einsam zugrunde. Die harte Machtrealität siegt.

Entstanden in einer persönlichen Krisenzeit – der Erfolg seiner Enigma-Variation war längst verbraucht – sah Elgar in seinem „Falstaff“ sein schönstes Orchesterwerk. Doch es dauerte Jahre und Jahrzehnte, bis es nach einer eher unglücklichen Uraufführung vom Publikum angenommen wurde.