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Strauss: Orchesterlieder

Eine andere Möglichkeit, mit Musik eine „story“ zu erzählen, ist die naheliegendste: Man nimmt sich Literatur und vertont diese. Man schreibt ein Lied. Doch was heißt eigentlich „vertonen“? Richard Strauss musste es wissen. Mehr als 200 Lieder schuf er in beinahe acht Jahrzehnten. Das Liedkomponieren bezeichnete er einmal als „Öl zur Verhinderung des Einrostens der Fantasie“. Hier zeigte er sein Können en miniature.

Viele Lieder widmete er seiner Ehefrau Pauline, die als ausgebildete Sängerin seine bevorzugte Interpretin war. Und freilich ist diese Art von musikalischem story-telling inniger, weit weniger expressiv als bei Janáček. Die lyrische Vorlage des in Schottland geborenen deutschen Dichters John Henry Mackay beschreibt im ersten Lied von 1894 eine „Heimliche Aufforderung“ während eines geselligen Mahls. In diesem Fall heißt „vertonen“ für Strauss, der arienartigen Gesangsmelodie eine perlende Begleitung zuteil werden zu lassen, welche die Leidenschaft unterstreicht.

Im zwei Jahre später entstandenen Lied „Ich trage meine Minne“ besticht vor allem der Dur-Moll-Gegensatz, den Strauss den Worten unterlegt: „Kohlschwarz“, „trübe“ oder „Sünden“ klingen natürlich anders als „Herz“, „Liebe“ und „Unschuld“.

Im „Ständchen“ von 1886 begibt sich Strauss hingegen vornehmlich auf das Gebiet der Tonmalerei. Hier murmelt der Bach nicht nur im Text, man hüpft über die Blumen und auch der Wind zittert sehr eindrucksvoll. Dies ist Liebeslyrik, die prototypisch alles vereint, was für das Genre nötig ist: Natur, Leidenschaft, Heimlichkeit, hilfreiche Tiere und Fabelwesen sowie Nachtstimmung.

Dass auch der „Morgen“ Glück bereithalten kann, beweist das 1897 orchestrierte Lied mit seinen zarten Harfen-Triolen. Hier geht es um die Sehnsucht nach besseren Zeiten: In der Vorstellung ist das Morgen eine schöne Zeit. Doch die Grundstimmung ist dunkel. Glaubt das lyrische Ich wirklich an das glückselige Zukunftsbild? Wie Strauss hier die Gesangsstimme ins endlos Fließende dehnt und die Begleitung zu „und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen“ ins kaum noch Hörbare versinken lässt, ist meisterhaft.

Auch das 1885 geschriebene und erst 1940 orchestrierte Lied „Zueignung“ arbeitet mit der für Kunstlieder typischen Triolenbegleitung. Gleich dreimal heißt es in dem kurzen Stück „Habe Dank“. Als erstes veröffentlichtes Lied nimmt es eine besondere Stellung in Strauss‘ Schaffen ein: Hätte er seine Paulina nicht erst zwei Jahre später kennengelernt – man könnte meinen, die besungene „teure Seele“ sei Strauss‘ Ehefrau.