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Janacek: Sinfonietta

Wenn ein Komponist seinem Werk eine „story“ zugrunde legen will, hat er mehrere Möglichkeiten. Eine ist, mithilfe musikalischer Mittel im Kopf des Hörers Bilder entstehen zu lassen. Dies tat Leoš Janáček in seiner Sinfonietta: In fünf Sätzen huldigt er dem tschechischen Brünn, der Stadt seiner Schulzeit. Jeder beschwört ein anderes – meist bauliches und damit symbolisches – Merkmal.

Allerdings konnte er dieses „Programm“ wie viele andere Bildermalende Komponisten nicht für sich behalten. Und so prägen seine ein Jahr nach der Uraufführung publik gewordenen Satzerläuterungen unvermeidlich unser Hören. (Wenn Sie einen unvoreingenommenen Eindruck vorziehen, überlesen Sie bitte die folgenden Zeilen.)

Natürlich handelt es sich um keine Symphonie im klassischen Sinne mit Themen und deren Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen vielmehr stets wiederholte kurze Folklore-Motive und eine klangliche Differenzierung mit unterschiedlichen Orchesterfarben. Der Titel Sinfonietta ist allerdings irreführend.

Denn so niedlich ist das Werk gewiss nicht: Schon der erste, wohl bekannteste Satz „Fanfaren“ lässt nicht weniger als elf Trompeten aufmarschieren. Janáček bezieht sich hier auf die Gründung der Tschechischen Republik 1918 und spricht von einem „Lichtglanz der Freiheit“.

Die folgende „Burg“ ist die Festung Spielberg, in dem laut Janáček „soviel Schmerz gebrüllt hat“. Sie ist so ein Symbol der Unterdrückung während der österreichischen Herrschaft. Holzbläser dominieren. Doch am Schluss des Satzes kehren erlösende Trompetenfanfaren wieder.

„Das Königinkloster“ wird hingegen von den Streichern gemalt. Der Gesamteindruck ist lyrisch, da Janáček seine Vision einer künftig weiter aufblühenden Stadt in Musik umsetzte. Es ging ihm um die „heilige Ruhe des im Hohlweg versunkenen Königinklosters“, ein in seiner Kindheitserinnerung idyllischer Ort. Der vierte Satz hingegen steht für die Abneigung des Komponisten gegen die Straße und alles, „was in ihr wimmelt“. Die Trompeten intonieren ein Volkstanz-Motiv, das beständig wiederholt wird.

„Das Rathaus“ schließlich, das von einem lyrischen Flötenthema eingeleitet wird, verkörpert die menschliche Ordnung. Erst hier ist das gesamte Orchester vereint. Und die Trompeten erinnern an den Beginn: Ihre Fanfare bekräftigt zum Abschluss der wohl bedeutendsten Instrumentalkomposition Janáčeks erneut die Komponistenvision einer glorreichen Zukunft.

 

Leoš Janáček

* 3. Juli 1854 in Hukvaldy/Nordmähren (Tschechien)
12. August 1928 in Ostrava (Mährisch-Ostrau)

Entstehung März 1926 in Prag
Besetzung Großes Symphonieorchester mit 19 Blechbläsern, Pauken, Becken, Glocken und Harfe
Widmung Gewidmet der Musikschriftstellerin Rosa Newmarch, die sich besonders um die russische und die tschechische Musik verdient gemacht hatte
Uraufführung 26. Juni 1926, Prag, Tschechische Philharmonie, Leitung: Václav Talich
Erstdruck Universal-Edition, Wien 1926
Spieldauer ca. 25 Minuten