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Tschaikowsky: „Eugen Onegin“

Peter Tschaikowsky

* 7. Mai 1840 (greg.) in Wotkinsk
 6. November 1893 (greg.) in St. Petersburg

„Eugen Onegin“

Uraufführung  März 1879 in Moskau
Libretto  P. Tschaikowsky und Konstantin Schilowski nach Alexander Puschkin

 

Weniger Glück als Mathilde und Arnold haben Tatjana und Onegin in Tschaikowskys Oper. Auch hier ist es die leidenschaftlich Liebende, die zunächst einsam ihre Gefühle ergründet: In der wohl berühmtesten Briefszene der Opernliteratur schwankt Tatjana zwischen Offenherzigkeit („Ich schlürf das süße Gift Verlangen, der Sehnsucht Bann hält mich gefangen“) und Zurückhaltung („Ja, tief im Herzen soll‘s verschlossen sein, von andern ungeahnt soll‘s glühen, brennen”).

Die im Gegensatz zu ihrer Schwester sensible Tochter einer Gutsbesitzerin hat den des Lebens überdrüssigen Onegin gerade erst in der Szene zuvor, der ersten der Oper, auf dem Lande kennengelernt und ist sogleich in Liebe entflammt. Ihr Gesang ist zugleich eine Art innere Emanzipation: Schließlich trauern sowohl ihre Mutter als auch die Amme um unerfüllte Jugendlieben. Tatjana könnte es also anders machen: „Nein, nimmer hätt‘ auf Erden ich einen andren mir erwählt.“ In Zeiten von Email und SMS ist es beinah schwer vorstellbar, wie Tatjana zum Schreiben ansetzt, das Papier zerreißt, aufspringt und sich wieder an den Brief macht. Doch schließlich ist sie sich sicher, was sie zu sagen hat: „Du nahtest dich, ich sah dich kommen, mein Herzschlag stockte, ich erglühte, und jubelnd rief‘s in mir: er ist‘s!“

Ähnlich wie Arnold reagiert auch Onegin zurückhaltend. Jedoch ist er nicht etwa innerlich zerrissen; die Liebe hätte durchaus eine von der Gesellschaft tolerierte Chance. Vielmehr nimmt Onegin Tatjana nicht ernst: Ihre Liebe sei jugendliche Schwärmerei. Und zudem sei er selbst für die Ehe nicht geeignet. Was für ein Fehler: Als sich beide nach Jahren in St. Petersburg wiedersehen, erkennt Onegin, dass er Tatjana von Herzen liebt. Allerdings ist diese nun mit einem anderen verheiratet – eine Vernunftehe, die Tatjana dennoch nicht lösen will.

Mit dieser Oper setzte Tschaikowsky ein Sujet in Szene, das räumlich, zeitlich und gesellschaftlich nicht weit von seiner Realität war. Dies galt ihm viel: „Ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf Konflikten beruht, die ich selber erfahren oder gesehen habe, die mich im Innersten berühren können.“ Während der Arbeit an „Eugen Onegin“ lernte er übrigens die Studentin Antonina Milijukowa kennen, die ihn leidenschaftlich verehrte. Ohne viel Bedenkzeit heirateten sie. Doch schon nach wenigen Wochen verließ der Komponist die junge Frau.