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Rossini: „Guillaume Tell“

Gioacchino Rossini

* 29. Februar 1792 in Pesaro
 13. November 1868 in Passy bei Paris

„Guillaume Tell“ Opéra in vier Akten

Uraufführung  3. August 1829 in Paris
Libretto  Victor-Joseph Étienne de Jouy und Hippolyte Louis Florent Bis

 

Am Beginn des zweiten Aktes von Rossinis Oper „Guillaume Tell”, für die Friedrich Schiller mit seinem Drama „Wilhelm Tell“ sowie Jean Pierre Claris de Florian mit seiner Erzählung „Guillaume Tell ou La Suisse libre“ die Vorlage lieferten, feiert ausgelassen eine Jagdgesellschaft. Mathilde jedoch hat sich zurückgezogen, um ihren geliebten Arnold zu erwarten. Diese einsame Zweisamkeit, die unbemerkt von den anderen stattfinden soll, ist sehr verständlich. Schließlich darf diese Liebe – ähnlich der zwischen Romeo und Julia – nicht sein: Arnold ist Schweizer und somit Unterdrückter. Und die Prinzessin Mathilde ist Habsburgerin und somit auf Seiten der Unterdrücker.

Nun handelte es sich aber nicht um wahre Opernliebe, wenn sich die beiden um derlei Konventionen scherten. Zumindest Mathilde hört ganz auf ihr Herz, dessen Stimme sie hier Ausdruck verleiht: „Wie füllt die Zaubermacht der Liebe mich mit Lust!”

Sie spricht Arnold schon namentlich an, als er noch gar nicht bei ihr ist. Sie ahnt und sieht ihn aber schon und hat dennoch minutenlang Zeit, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Dies ist freilich eine Opernspezialität des 19. Jahrhunderts, die insbesondere Rossini vertrat: Die „lebenden Bilder” (in Analogie zu denen in der Bildenden Kunst), also ein Handlungsstillstand samt innerseelischer Bewegung, sorgen in der Dramaturgie für ein Innehalten und verschaffen der Musik und dem Gesang gebührend Raum.

Mathilde verleiht dem Ausdruck, was zahlreiche Liebespaare in Opern – vor allem Tristan und Isolde aber auch viele andere – ausmacht: Sie setzt sich innerlich über die gesellschaftlichen Zwänge hinweg: „Was gilt Palast, was des Hofs eitler Glanz?” Und sie ist sich ihrer Sache ganz sicher: „Du Abendstern strahlst so licht meiner Wonne, Du leuchtest mild, unsern Bund einzuweihn.”

Zwar braucht Arnold, der zwischen seiner Liebe zu Mathilde und seiner Liebe zur Schweiz zerrissen ist, noch ein paar Umwege. Im dritten Akt, dem Armbrust-Apfel-Akt, scheint es keine Chance mehr für die Liebe zu geben. Doch die Aufständischen siegen schließlich, die Schweiz ist befreit, und Mathilde und Arnold dürfen in aller Öffentlichkeit ein Paar sein. Das Gefühl bricht sich ebenso Bahn wie Wilhelm Tell der Freiheit den Weg ebnet.