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Prokofjew: Symphonie Nr. 7 cis-Moll

Sergej Prokofjew

* 23. April 1891 auf Gut Sonzowka, Distrikt Jekaterinoslaw in der Ukraine
5. März 1953 in Moskau

Symphonie Nr. 7 cis-Moll Op. 131

Entstehung  1951 bis Anfang Juli 1952
Uraufführung  11. Oktober 1952 in Moskau, Leitung: S. A. Samoussud
Erstdruck  Staatlicher Musikverlag, Moskau 1959
Spieldauer  Ca. 34 Minuten

 

War es die „Freiheit“ eines schwerkranken, dem Tode nahen Mannes? Sergej Prokofjews letzte Symphonie ist so voller musikalischer Scherze und orientalisch-tänzerischer Ausgelassenheit wie sie vielleicht nur bei einem seiner russischen Komponisten-Ahnen, bei Rimsky-Korsakow zu finden ist.

War es innere Flucht vor den Demütigungen der stalinistischen Kulturbürokratie, die den Komponisten zu diesem für den Kinderrundfunk konzipierten Werk verleitete? Man mag ja kaum glauben, dass sein Lebensende ein Zufall ist: Prokofjew starb am selben Tag wie Josef Stalin. Und als am Folgetag der Sarg des Komponisten aufgebahrt wurde, fanden nur wenige den Weg zum Abschiednehmen, so voll waren die Straßen von Menschen, die um den Diktator trauerten. Doch seine Siebte zeugt kaum von Repression, sondern von jugendlicher Vitalität.

Prokofjew hatte nach erfolgreichen Jugendjahren durchaus versucht, sich dem politischen Druck zu entziehen und war nach einem kurzen USA-Aufenthalt 1923 nach Frankreich gegangen. Aber der Erfolg blieb aus, er vermisste seine Landsleute und genoss den jubelnden Empfang, als er einige Jahre später zurückkehrte. Dem Urteil, das 1948 über Schostakowitsch‘ Musik gesprochen wurde, entging jedoch auch Prokofjew nicht. Seine Musik, die er selbst als von vier Grundlinien (klassisch, modern, motorisch, lyrisch) beeinflusst sah, war nun „formalistisch und volksfeindlich“.

Es dauert einige Zeit, bis der kindliche Charakter in dieser Symphonie Raum greift: Der erste Satz beginnt mit einem nostalgischen Thema in den Violinen. Die Bläser steuern bald einen zweiten, deutlich wärmeren Gedanken bei, doch spielerisch wirkt erst das Ende dieses Moderato, in dem Glockenspiel und Xylophon einen Rhythmus wie eine tickende Uhr präsentieren. Und dann hält sich Prokofjew kaum mehr zurück. Der zweite Satz ist ein Walzer, eine Erinnerung an Prokofjews eigenes Ballett „Cinderella“. Hier setzt er die Instrumente, beispielsweise das oft clownesk klingende Fagott, sehr malerisch ein.

Das folgende Andante ist langsamer, gesanglich, fast pastoral, und das Finale schließlich wild und zugleich spielerisch-unschuldig: Verschiedene bekannte Themen tauchen auf und jagen einander. Es ist ein Fest des Rhythmus – dessen Schluss Prokofjew zunächst umschrieb, um ihn furioser zu gestalten, dann aber verwarf. In der Urfassung kommt am Ende ein großzügiger Hymnus fast verschmitzt daher, als wolle der Komponist Schabernack treiben. So ist diese Siebte Musik gewordene Freiheit.