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Musik der Befreiung

Claude Debussy

* 22. August 1862 in St-Germain-en-Laye, Frankreich, † 25. März 1918 in Paris

Prélude à l'après-midi d'un faune

Entstehung: 1892-1894
Uraufführung: 22. Dezember 1894 in Paris
Spieldauer: Ca. 10 Minuten

 

Es gibt nicht viele revolutionäre Werke in der Musikgeschichte, nach denen tatsächlich nichts mehr so war wie zuvor. Vielleicht zählen Beethovens Neunte oder Wagners Tristan-Vorspiel dazu. Aber sicher auch Claude Debussys recht kurzes, doch nicht weniger bedeutendes „Prélude à l‘après-midi d‘un faune“: Wenn dies keine Musik der Befreiung ist, was dann?

Wie kam es zu dieser Sensation, die schon das Publikum bei der Pariser Uraufführung in Begeisterung versetzte? Stéphane Mallarmé hatte ein Gedicht geschrieben, Debussy las es und machte aus der Stimmung, die es in ihm hervorrief, Musik. In der Musikgeschichtsschreibung ist dieses Werk die offizielle Geburtsstunde des musikalischen Impressionismus – ein Begriff, der aus dem Bereich der Malerei stammt, in Assoziation zu Bildern von Claude Monet oder Pierre-Auguste Renoir. Diese Musik macht tatsächlich einen unmittelbaren Eindruck (Impression) auf uns, die Formen sind frei, einen Sonatenhauptsatz oder ähnliches sucht man hier vergeblich. Die Konturen sind verwischt, es scheint, als würde die Musik assoziativ voran schreiten oder auch mal auf der Stelle stehen, die harmonischen Beziehungen lösen sich auf. Debussy sagte selbst, seine Musik sei „keine direkte Nachahmung, sondern seelische Übertragung dessen, was in der Natur nicht sichtbar ist“.

Wie hören eine Sommeridylle, die Luft irrt vor Hitze, Fabelwesen sind zugegen. Es ist nicht etwa eine Tondichtung im Sinne Richard Strauss‘, da sich nicht viel entwickelt. Es ist eben eine Stimmung, das Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns. Im Zentrum steht ein Gedanke der Soloflöte, der uns zu Beginn wiegend, chromatisch präsentiert wird, gespielt in einem 9/8-Takt, welcher etwas Tänzerisches hat. Dann setzt das Orchester ein, vor allem die zwei Harfen mit ihren Glissandi machen Eindruck. Die Instrumentation ist auch sonst bemerkenswert: Neben einer nicht besonders großen Streicherbesetzung gibt es immerhin vier Hörner, die aber eher leise zu spielen haben.

In der Mitte des Stücks wird das musikalische Geschehen ein wenig kraftvoller, bevor es wie ein sommerlicher Lufthauch verklingt. Doch trotz der Zartheit stellt es das Orchester vor Herausforderungen: Oft geht ein musikalisches Thema durch die einzelnen Stimmgruppen, die Musiker müssen genau aufeinander hören, ein Instrument übernimmt die Melodie vom anderen. Auch setzt Debussy mitunter die Akzente gegen das Taktmaß, bringt uns also durcheinander, wenn beispielsweise jede zweite Achtel betont wird, obwohl die schwere Zählzeit im 9/8-Takt ja eigentlich auf jeder dritten liegt.