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Grieg: Zwei elegische Melodien Op. 34

Das diesjährige Weihnachtskonzert der Hamburger Symphoniker, dem Residenzorchester der Laeiszhalle, startet am Abend des 1. Feiertages überraschend mit einer „Morgen“-Symphonie: Joseph Haydns (17321809) sechste Symphonie trägt als erster Teil seines 1761 entstandenen Tageszeiten-Zyklus den Untertitel „Le Matin“ (der Morgen), und so ist sie auch: Frisch-vergnüglich und von einem wachen Geist erdacht. Es wäre jedoch falsch, aufgrund des Titels lediglich eine romantische Naturschilderung mit den Mitteln der Musik zu erwarten. Haydn geht einen Schritt weiter, indem er kleine Kommentare zum Leben am Hofe des Fürsten Esterhásy, bei dem er kurz zuvor seinen Dienst als Vizekapellmeister angetreten hat, einfügt. Möglicherweise sind die Symphonie-Titel dieses Zyklus sogar einfach als Hinweis auf den zeitlichen Rahmen des Vortrags zu verstehen. Zwar begegnet uns zu Beginn dieser sechsten Symphonie in einer langsamen Einleitung deutlich hörbar ein Sonnenaufgang. Doch die eigentliche Qualität dieses Werkes besteht weniger in derlei Tonmalerei, sondern eher in der Meisterschaft, mit der Haydn die Möglichkeiten „seines“ neuen Orchesters in Szene setzt. Wie kaum zuvor entwickelt er – mal mit dem Einsatz von Klanggruppen, mal mit Soloinstrumenten – einen äußerst differenzierten Orchesterklang.

Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Violinkonzerte zählen seit bald drei Jahrhunderten zum Größten, was für Geiger je geschrieben wurde. Das Werk mit der Nummer BWV 1056 ist zwar die Rekonstruktion seines Cembalo-Konzert in f-Moll (keine ungewöhnliche Technik), klingt jedoch, als sei es auch ursprünglich für die Violine geschrieben.

Es umfasst drei Sätze und stammt möglicherweise aus Bachs früher Schaffensphase. Doch diese ausdrucksstarke Barockmusik besticht durch ihren ausgewogenen Orchesterklang und die feingliedrige Solostimme, die über der Klangbasis schwebt. Besonders der zweite Satz, ein behutsames, weithin beliebtes Largo, schmeichelt dem Ohr; hier kommt die Melodieführung der Solostimme voll zur Geltung. Es verklingt wie im Nebel, doch das Presto sorgt schließlich für ein nahezu beschwingtes Ende des Konzerts.

Die beiden elegischen Melodien für Streichorchester des Norwegers Edvard Grieg (1843-1907) sind das einzige Werk dieses Weihnachtskonzertes, das nicht aus dem 18. Jahrhundert stammt. Der tiefgründige Norweger betitelte sie mit „Herzwunden“ (oder auch „Das verwundete Herz“) und „Letzter Frühling“ – ein Hinweis auf die literarische Grundlage: Zwischen 1873 und 1880 nahm sich Grieg Gedichte von Aasmund Olafsson Vinje vor, noch heute sind manche seiner aus dieser Arbeit entstandenen „Zwölf Lieder für Singstimme und Klavier“
in seiner Heimat bekannt und beliebt. Die beiden elegischen Melodien sind Orchesterbearbeitungen zweier Lieder daraus („Der Verwundete“ und „Der Frühling“): Grieg instrumentierte sie für das Bergener Symphonieorchester, dessen Leiter er von 1880 an war. „Die tiefe Traurigkeit dieser Gedichte ist der Hintergrund für den feierlichen Klang der Musik, und dies veranlasste mich (...), ihren Inhalt deutlicher hervorzuheben, indem ich ihnen ausdrucksvollere Überschriften gab“, so Grieg.

Wolfgang Amadeus Mozarts (17561791) schwärmerisch-heitere und zugleich bemerkenswert fein gearbeitete Symphonie Nr. 29 entstand 1774. Sie gehört zu einer Gruppe von drei Symphonien, die er als junger Mann noch in Salzburg vor seiner Parisreise vollendete, und ist – mit ihrer Länge und der sicheren Handhabe der Sonatensatzform – sicher der Höhepunkt in diesem Trio. Im ersten Satz, einem Allegro moderato, schafft es

das Hauptthema erst allmählich, Aufmerksamkeit zu erlangen – doch wie Mozart diesen Prozess gestaltet, zeugt von großer Entwicklungskunst. Und als das Hauptthema wiederholt wird, spielen es die tiefen Streicher

dazu in einem Abstand von nur einem halben Takt. Diese Kompositionsweise ist durchaus modern. Denn es scheint, als werde die Melodie wie in der Kammermusik auf verschiedene Stimmen verteilt. Und Mozart gelingt

so eine gekonnte Steigerung. Auf eine komplexe Durchführung folgt dann ein beseeltes Satzfinale. Im Andante beeindrucken die gedämpften Violinen – und das Klangbild: Mozart setzt die für eine Symphonie damals üblichen Instrumente ein. Doch wie er das macht, lässt aufhorchen, es ergeben sich ungeahnte Klagfarben. Das folgende Menuett ist betont gegensätzlich gehalten, dennoch

beziehen sich die beiden Mittelsätze aufeinander, indem sie mit einem punktierten Rhythmus arbeiten. Insgesamt ist diese Symphonie ein unschätzbares Zeugnis der Entwicklungsschritte, die Mozart auf dem Weg zu seinem unverwechselbaren Stil machte. Das Weihnachtskonzert ist mit dieser Symphonie als Abschluss die ideale Form, sich aufs Wesentliche zu besinnen: Auf die Liebe, die Musik und den Wohlklang.