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Nielsen: Violinkonzert Op. 33

Carl Nielsen

* 9. Juni 1865 in Nørre Lyndelse, Dänemark, † 3. Oktober 1931 in Kopenhagen

Violinkonzert Op. 33

Entstehung: 1911
Uraufführung: 1912 in Kopenhagen
Spieldauer: Ca. 40 Minuten

 

Auch schon Carl Nielsen, dessen 150. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, machte sich nicht viel aus der ausufernden Harmonik seiner Zeit. Die „Pflege der ersten und grundlegenden Intervalle“ war ihm ein Herzensanliegen. Er forderte sich und seine Kollegen auf: „Bis zum Überdruss müssen wir zeigen, dass eine wohlklingende Terz als göttliche Gabe gesehen werden sollte, eine Quart als Erfahrung und eine Quint als die größte Freude.“

Der Kontrapunkt-Meister Nielsen verstand sich als Anti-Romantiker – und konnte doch nicht verhindern, dass sein einziges Violinkonzert gar nicht selten zum Träumen einläd. Sicher, es lebt auch von seiner Schlichtheit und herben Eleganz. Das Orchester agiert eher zurückgenommen, man spürt, wie sich der Komponist wehrt, nicht zu viel zu wollen, harmonisch und formal gemäßigt aufzutreten. Jedoch sind es vielleicht genau diese Eigenschaften, die das Konzert – vor allem in den zarten Violin-Passagen – zugleich in die romantische Traditionslinie des 19. Jahrhunderts einreihen.

Genau genommen ist es zweiteilig. Das Präludium ist naturgemäß ein Vorspiel für den zweiten Satz, wie auch der dritte das abschliessende Rondo einleitet. Man könnte überhaupt den Eindruck gewinnen, das Largo zu Beginn diene lediglich der Solistin dazu, sich mit kadenzartigen Läufen einzuspielen: Nach einem kräftigen Orchesterakkord übernimmt sie fast gänzlich das Kommando.

Mit dem in der Musik nicht eben geläufigen Adjektiv „cavalleresco“ beschreibt Nielsen sein Allegro des zweiten Satzes. Das soll in diesem Fall wohl soviel heißen wie „ritterlich“ oder „galant“. War es vielleicht auch ritterliche Zurückhaltung, dass Nielsen kein Violinkonzert schrieb, bis er Mitte 40 war? Immerhin war er selbst wie sein Vater ein sehr guter Geiger, und ganz Dänemark wartete stets darauf.

Im zweiten Teil des Konzert, der sich aus einem behutsamen „Poco adagio“ und einem vielseitigen „Allegro scherzando“ zusammensetzt, wird deutlich, was ein Kritiker nach der Uraufführung schrieb: Das Konzert sei „der erste ganz und gar reife Apfel von seinem Baum“. Denn hier erfüllt Nielsen den eigenen Anspruch, ein Gleichgewicht von Virtuosität und kompositorischer Originalität zu schaffen, meisterhaft.

Nielsen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Persönlichkeit im Kopenhagener Musikleben, litt dennoch darunter, außerhalb seiner Heimat wenig Anerkennung erfahren zu haben. Erst nach seinem Tod änderte sich dies Schritt für Schritt. Und vor allem seine Symphonien wurden in den letzten Jahren überraschenderweise mit zahlreichen CD-Gesamteinspielungen bedacht.