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Wiren: Serenade für Streicher Op. 11

Johannes Brahms

* 5. Oktober 1905 in Striberg, Schweden, † 19. April 1986 in Danderyd, Schweden

Serenade für Streicher Op. 11

Entstehung: 1937
Uraufführung: 1940 in Stockholm
Spieldauer: Ca. 15 Minuten

 

Liegt es am nicht vorhandenen Musik-Nobelpreis? Mit Schwedens Literaten können 
die dortigen Komponisten kaum mithalten – Franz Berwald (1796-1868) ist eine der wenigen Ausnahmen in Sachen Bekanntheit. Dass es aber einiges zu entdecken gäbe, zeigt Dag Wirén mit seiner landestypischen Streicherserenade, die uns mit ihren Quintklängen direkt in die Heimat von Michel aus Lönneberga zu entführen scheint.

Wirén, der in Stockholm und Paris studierte, in Schweden als Zeitungsrezensent arbeitete und von den beiden anderen Komponisten des heutigen Abends durchaus nicht unbeeinflusst blieb, wandte sich
 später der französischen Neoklassik zu. Doch hier ist er noch nah am musikalischen Nationalidiom – welches Jeffrey Tate mit diesem Konzert, in dem er sich nach März 2015 erneut der Musik Skandinaviens widmet, präsentieren will. (Es endet statt im Rahmen der fünften Reformationsprojektphase „Nation als Identität“; das Projekt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.)

Das Präludium, ein Allegro molto, macht seiner Tempobezeichnung alle Ehre: Markant sind die schnell abwärts tänzelnden Sechzehntelfiguren in den hohen Streichern. Dazu hören 
wir einen herben, stets wiederholten Rhythmus, der einer Volkstanzgruppe entstammen könnte. Dies wäre allerdings noch nichts Besonderes, wenn Wirén nicht in überraschender Weise Tonalität (in der Melodiestimme) und Chromatik (in Zwischengedanken) mischt. Mit den bekannten Serenaden des 18. Jahrhunderts hat Wiréns Werk den Tanzcharakter gemein. Ihr Gesamtausdruck ist jedoch deutlich vielseitiger.

Das Andante espressivo lässt auf den ersten Blick den Einsatz von Bläsern vermissen: Über einem Pizzicato der Streicher erhebt sich eine Naturhymne, die man vielleicht gerne einer Oboe oder einem Horn zuordnen würde. Doch Wirén ist auch hier kein simpler Klischee-Maler. Indem er die getragene Melodie in den Streichern belässt, ergeben sich spannende Klangschattierungen. Fast so, als entwickle er die Technik des Komponisten-Heiligen seines Nachbarlandes, Edvard Grieg, klug weiter.

Der dritte Satz, ein Scherzo im Allegro vivace ist in der Tat „lebhaft” und verspielt. Zumindest zu Beginn. Dann mischt Wirén ein trübes Trio hinein, das er gegen Ende noch zweimal kurz zitiert. Und den abschließenden Marsch wünscht er sich dann gar „molto ritmico“ gespielt. Man sollte übrigens nicht denken, im Mittelteil habe man es mit einem Walzer zu tun; einen Dreivierteltakt sucht man nämlich vergeblich.