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Ouvertüre zu „Der Freischütz“

Carl Maria von Weber

* 20. November 1786 (Taufe) in Eutin, † 5. Juni 1826 in London

Ouvertüre zu „Der Freischütz“

Entstehung: 1820
Uraufführung: 18. Juni 1821 in Berlin
Erstdruck: 1822, Schlesinger Berlin
Spieldauer: Ca. 12 Minuten

 

Carl Maria von Weber. Na klar, das ist der Komponist des „Freischütz“. Und sonst? Fragezeichen. Manchmal denkt man, er hätte anderes nie geschrieben: Keine weiteren Bühnenwerke wie das Singspiel „Abu Hassan“, die komische Oper „Die drei Pintos“ sowie die romantischen Opern „Euryanthe“ und „Oberon“ oder auch zahlreiche Vokalwerke, mehrere Konzerte, Ouvertüren und zwei Sinfonien. So sehr steht Webers Teufelspakt-Evergreen mit den vefluchten Freikugeln im Fokus.

Vielleicht brauchte es diese Reduzierung, um den „Freischütz“ zum deutschen Nationalkunstwerk zu erheben. Anderes aus Webers Schaffen durfte es daneben nicht mehr geben. Das Sujet samt Liebe, Teufel und Wald, das Weber und sein Librettist Friedrich Kind im „Gespensterbuch“ von Johann August Apel und Friedrich Laun vorfanden und mit einem tröstlichen und erhebenden Ende versahen, galt als urdeutsch. Webers Sohn Max beschreibt die enthusiastische Stimmung bei der Uraufführung: „Auf den stürmischen Empfang folgte die feierliche Ruhe. Und nun entwickelte sich das zauberische Tongemälde der Ouvertüre in seiner ganzen unwiderstehlich fortreißenden Fülle – der Eindruck war magisch.“

Der Form nach ein freier Sonatensatz, malt die Freischütz-Ouvertüre wie ein Drama en miniature ein verdichtetes Bild der Opernhandlung. Die Adagio-Einleitung grundiert mit dem Crescendo auf dem Ton C, dem unisono Einsatz des Orchesters und dem rätselhaft absteigenden Violinenmotiv die düster-unheimliche Atmosphäre. Die volkstümliche Hörnermelodie beschwört weniger eine Waldidylle als die dämonischen Kräfte, in deren Fänge der Jägerbursche Max durch Kaspar gerät. Den Schwarzen Jäger Samiel verkörpert ein Cello-Motiv, begleitet vom gedämpften Streichertremolo. Zu Beginn des Hauptteils (Molto vivace) erklingt ein rhythmisch markanter Gedanke, der später zu Max’ Arie im ersten Akt mit den Worten „Doch mich umgarnen nstre Mächte“ wiederkehrt.

Ein wildes Orchestertutti nimmt die Wolfsschlucht-Szene vorweg, gefolgt von Marschtakten und einem Zitat aus Kaspars Triumph-Arie. Dann erhebt sich eine „lange, stöhnende Melodie, welche sich in der Klarinette durch das Orchestertremolo erhebt, gleichsam eine ferne Klage, die vom Wind in der Tiefe des Waldes zerstreut wird“ (Hector Berlioz). Nach einer Generalpause präsentieren die Klarinetten und ersten Violinen das berühmte Liebesthema von Agathe, das in einem C-Dur-Akkord und nalem Jubeltaumel mündet. Sie symbo- lisieren den Sieg des Guten und führen noch einmal den Farbenreichtum und die kunstvolle Klangalchimie Webers vor.