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Claudia Chabowski
 

Ohren Auf, Herbst 2016, Mein Orchester, S. 6-8
Wer sind die Musiker auf der Bühne? Wie sind sie zu den Hamburger Symphonikern gekommen? Wie sieht ihr Alltag aus? An dieser Stelle erzählen die Orchestermitglieder von ihrem Musikerleben. In dieser Ausgabe von „Ohren Auf“: Claudia Chabowski, Education-Assistentin
Vielleicht klingt es altmodisch. Aber ich glaube fest daran, dass man das aufmerksame Zuhören im Konzert lernen muss. Das ist nichts, was automatisch funktioniert. Andererseits aber ist es unerlässlich. Und ich glaube ebenso fest daran, dass dieses Zur-Ruhe-Kommen und Geduldig-Sein einen jungen Menschen ein ganz großes Stück weiterbringt. Bei meiner Arbeit als Assistentin in der Educationabteilung der Hamburger Symphoniker ist es mir ein zentrales Anliegen zu zeigen, dass Musik genau dies kann: Kinder und Jugendliche weiterbringen.
In der letzten Saison habe ich die Stelle angetreten. Und eines der ersten Projekte, an denen ich intensiv mitgearbeitet habe, war „Do it!“ mit Flüchtlingskindern. Dass wir ihnen fast ohne Sprache, nur mit Musik gut helfen konnten, zeigt deren Entwicklung in der Rückschau: Heute fühlen sie sich in ihrer neuen Heimat viel stabiler, sie lieben die Arbeit mit Instrumenten und der Musik. Diese Erfahrung bestätigt mich in meinen Gedanken, die ich auch schon in meiner Masterarbeit an der Hochschule für Musik Detmold unter dem Titel „Musikvermittlung in einer reizüberfluteten Gesellschaft“ formulierte: Smartphones sind toll und im Alltag sehr hilfreich. Viel mehr bei sich, bei seinen Gefühlen und bei seiner persönlichen Entwicklung ist man aber mit Musik.
Geboren und aufgewachsen bin ich 1989 unweit von Hamburg, in Buchholz in der Nordheide. Meine Eltern kommen aus Polen – sicher ein Grund dafür, dass ich Chopin so mag. Ich lernte Klavier und Klarinette und studierte auch in Hamburg: Am Konservatorium in Sülldorf und an der Hochschule an der Außenalster. Die Hamburger Symphoniker habe ich als ein Orchester kennengelernt, dass sich wie kaum ein anderes für die Education engagiert. Es ist toll, wie viele Musiker des Orchesters bereit sind, mit uns Kitas und Schulen zu besuchen oder an Projekten beim HSV, in der Kunsthalle und am Thalia Theater mitzumachen. 
Das ist sehr wichtig, denn die Kinder und Jugendlichen lassen sich am stärksten begeistern, wenn sie die Musiker aus der Nähe erleben. Die Grundschüler machen immer ganz große Ohren, wenn jemand ihnen etwas über die Instrumente erzählt – oder wenn wir sie in Phantasiewelten mitnehmen. Die Älteren gehen etwas rationaler an die Sache heran, sie brauchen Aufgaben. Doch auch sie weiten irgendwann den Blick für andere Möglichkeiten. Und was insbesondere allen gemeinsam ist, die in so genannten „kulturfernen“ Stadtteilen leben: Sie wollen die Musik haben. Sie saugen begierig alles auf, was wir mitbringen. Oft sind sie sogar offener als Kinder in „guten“ Gegenden. Und wenn sie dann das erste Mal die Laeiszhalle besuchen, machen alle große Augen. Hier werden sie still und ehrfürchtig, sie merken, dass es etwas besonderes ist. Manchmal setzen wir sie bei Proben direkt auf die Bühne zwischen die Musiker, dann staunen sie, wie laut Musik sein kann, auch wenn es nicht Pop ist. 
Ehrlich gesagt, mache ich die Projekte auch ein bisschen für mich selbst: Man bewahrt sich damit ein Stück Kindheit, ich lerne viel über mich. Denn bei der Vorbereitung denke ich wie ein Kind, um mir den Aufgaben-Ablauf zu überlegen. Ich höre mir Musik an und erprobe für mich, wie man sie umsetzen kann: Hat sich Jean Sibelius bei seiner 2. Symphonie vielleicht einen Spaziergang in der Natur vorgestellt? Später ist es dann toll zu spüren, dass Kinder ein „gut, schlecht, falsch“ noch nicht kennen. Sie sehen das Leben bunt und genießen die Musik einfach. Wenn ich hingegen Konzerteinführungen für junge Erwachsene mache, helfen Vergleiche mit beruflichen Situationen oft weiter: Was haben ein Dirigent und ein Teamleiter gemeinsam?
Ich finde, es ist ein riesiger Unterschied zwischen einer CD und einem Konzert, in dem man spürt, wie Musik entsteht. Wenn ich zuhause in Alsterdorf ganz privat Musik höre, kann ich aber gezielt auswählen, und ich weiß meistens genau, was für meine Gefühlslage gerade passt. Dafür bin ich sehr dankbar. Oft ist es Chopin. Aber auch Brahms und Debussy mag ich sehr gerne. Und an Dvořák liebe ich natürlich die volksmusikalischen Einflüsse wie auch bei Chopin. Das erinnert mich dann an Polen. Einige Passagen berühren mich quasi am ganzen Körper. 
Mein Konzerttipp Nr. 1:
Dirigent: Jeffrey Tate
„Eros und Thanatos“
1. Symphoniekonzert 
Das wird sicher ein gewaltiges epochenübergreifendes Konzert. Adès' „Totentanz“ ist sehr besonders, und auf die drei tollen Solisten bin ich ziemlich gespannt.
SO 18.09.16 / 19.00 
Laeiszhalle Großer Saal
Mein Konzerttipp Nr. 2:
Dirigent: Jason Weaver
Moderation: Malin Büttner 
„Die kleine Meerjungfrau“
1. Kinderkonzert
Mit diesem Konzert tauchen wir zu Hans Christian Andersens Erzählung ein in die Unterwasserwelt. Dazu gibt es wunderschöne Musik für kleine und große Ohren.  
SO 06.11.16 / 11.00 und 14.30 Uhr
Laeiszhalle Großer Saal

Vielleicht klingt es altmodisch. Aber ich glaube fest daran, dass man das aufmerksame Zuhören im Konzert lernen muss. Das ist nichts, was automatisch funktioniert. Andererseits aber ist es unerlässlich. Und ich glaube ebenso fest daran, dass dieses Zur-Ruhe-Kommen und Geduldig-Sein einen jungen Menschen ein ganz großes Stück weiterbringt. Bei meiner Arbeit als Assistentin in der Educationabteilung der Hamburger Symphoniker ist es mir ein zentrales Anliegen zu zeigen, dass Musik genau dies kann: Kinder und Jugendliche weiterbringen.

In der letzten Saison habe ich die Stelle angetreten. Und eines der ersten Projekte, an denen ich intensiv mitgearbeitet habe, war „Do it!“ mit Flüchtlingskindern. Dass wir ihnen fast ohne Sprache, nur mit Musik gut helfen konnten, zeigt deren Entwicklung in der Rückschau: Heute fühlen sie sich in ihrer neuen Heimat viel stabiler, sie lieben die Arbeit mit Instrumenten und der Musik. Diese Erfahrung bestätigt mich in meinen Gedanken, die ich auch schon in meiner Masterarbeit an der Hochschule für Musik Detmold unter dem Titel „Musikvermittlung in einer reizüberfluteten Gesellschaft“ formulierte: Smartphones sind toll und im Alltag sehr hilfreich. Viel mehr bei sich, bei seinen Gefühlen und bei seiner persönlichen Entwicklung ist man aber mit Musik.

Geboren und aufgewachsen bin ich 1989 unweit von Hamburg, in Buchholz in der Nordheide. Meine Eltern kommen aus Polen – sicher ein Grund dafür, dass ich Chopin so mag. Ich lernte Klavier und Klarinette und studierte auch in Hamburg: Am Konservatorium in Sülldorf und an der Hochschule an der Außenalster. Die Hamburger Symphoniker habe ich als ein Orchester kennengelernt, dass sich wie kaum ein anderes für die Education engagiert. Es ist toll, wie viele Musiker des Orchesters bereit sind, mit uns Kitas und Schulen zu besuchen oder an Projekten beim HSV, in der Kunsthalle und am Thalia Theater mitzumachen.

Das ist sehr wichtig, denn die Kinder und Jugendlichen lassen sich am stärksten begeistern, wenn sie die Musiker aus der Nähe erleben. Die Grundschüler machen immer ganz große Ohren, wenn jemand ihnen etwas über die Instrumente erzählt – oder wenn wir sie in Phantasiewelten mitnehmen. Die Älteren gehen etwas rationaler an die Sache heran, sie brauchen Aufgaben. Doch auch sie weiten irgendwann den Blick für andere Möglichkeiten. Und was insbesondere allen gemeinsam ist, die in so genannten „kulturfernen“ Stadtteilen leben: Sie wollen die Musik haben. Sie saugen begierig alles auf, was wir mitbringen. Oft sind sie sogar offener als Kinder in „guten“ Gegenden. Und wenn sie dann das erste Mal die Laeiszhalle besuchen, machen alle große Augen. Hier werden sie still und ehrfürchtig, sie merken, dass es etwas besonderes ist. Manchmal setzen wir sie bei Proben direkt auf die Bühne zwischen die Musiker, dann staunen sie, wie laut Musik sein kann, auch wenn es nicht Pop ist.

Ehrlich gesagt, mache ich die Projekte auch ein bisschen für mich selbst: Man bewahrt sich damit ein Stück Kindheit, ich lerne viel über mich. Denn bei der Vorbereitung denke ich wie ein Kind, um mir den Aufgaben-Ablauf zu überlegen. Ich höre mir Musik an und erprobe für mich, wie man sie umsetzen kann: Hat sich Jean Sibelius bei seiner 2. Symphonie vielleicht einen Spaziergang in der Natur vorgestellt? Später ist es dann toll zu spüren, dass Kinder ein „gut, schlecht, falsch“ noch nicht kennen. Sie sehen das Leben bunt und genießen die Musik einfach. Wenn ich hingegen Konzerteinführungen für junge Erwachsene mache, helfen Vergleiche mit beruflichen Situationen oft weiter: Was haben ein Dirigent und ein Teamleiter gemeinsam?

Ich finde, es ist ein riesiger Unterschied zwischen einer CD und einem Konzert, in dem man spürt, wie Musik entsteht. Wenn ich zuhause in Alsterdorf ganz privat Musik höre, kann ich aber gezielt auswählen, und ich weiß meistens genau, was für meine Gefühlslage gerade passt. Dafür bin ich sehr dankbar. Oft ist es Chopin. Aber auch Brahms und Debussy mag ich sehr gerne. Und an Dvořák liebe ich natürlich die volksmusikalischen Einflüsse wie auch bei Chopin. Das erinnert mich dann an Polen. Einige Passagen berühren mich quasi am ganzen Körper.

 

Claudia Chabowski arbeitet als Assistentin von Johanna Franz im Bereich Education der Hamburger Symphoniker ab der Saison 15/16.

Claudia Chabowski, geboren im Sommer 1989 in Buchholz in der Nordheide, wuchs in einer künstlerisch-musischen Familie auf. Mit sechs Jahren erhielt sie ihren ersten Klavier- und mit neun Jahren ihren ersten Klarinettenunterricht. Schon früh entwickelten sich ihr Ehrgeiz und ihre Leidenschaft, die Menschen in ihrer Umgebung mit klassischer Musik zu begeistern – besonders diejenigen, die keinen natürlichen Zugang zu dieser haben und ihr eher skeptisch gegenüberstehen. So sollte die klassische Musik ihre berufliche Zukunft bestimmen: Das Studium zur Diplom-Musikerzieherin am Hamburger Konservatorium mit Abschluss an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg begann sie bereits während der Schulzeit als Jungstudentin. Neben ihrem Studienschwerpunkt Klavier, war auch dessen Methodik ein weiteres Hauptfach. Somit entfaltete sie sich während ihres Studiums nicht nur künstlerisch, sondern entwickelte sich auch pädagogisch und methodisch weiter. Im Laufe des Diplomstudiums begann Sie außerdem sowohl die eigenen als auch Konzerte anderer Musiker zu moderieren, um dem Publikum einen leichteren Zugang zur klassischen Musik zu ermöglichen. Motiviert von vielen positiven Erfahrungen während dieser Moderationen und der Arbeit als Klavierlehrerin, begann sie den berufsbegleitenden Masterstudiengang Musikvermittlung und Musikmanagement an der Hochschule für Musik Detmold, den sie im März 2016 erfolgreich abschloss. Während des Studiums hat sie nicht nur im pädagogischen Bereich als langjährige Klavierlehrerin wertvolle Erfahrungen gesammelt, sondern auch im organisatorischen als Projektmitarbeiterin bei The Young ClassX e.V. im Bereich CSR/Music Education und im konzeptionell-kreativen Bereich als Musikvermittlerin der Education der Hamburger Symphoniker ihr Können unter Beweis gestellt. So gehören Organisation, Konzeption und Durchführung von Workshops, Projekten und Konzerten mit und für Kinder sowie Konzerteinführungen für Jugendliche und junge Erwachsene zu ihrem Portfolio.