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Marina Heredia

Marina Heredia wurde in Granada geboren und singt seit ihrer frühesten Kindheit; bereits mit 13 Jahren nahm sie eine Flamenco CD für Kinder auf. Sie stammt aus einer der großen spanischen Flamenco-Familien und gilt heute als eine Vertreterin des jungen, puristischen Flamenco. Marina Heredia tritt bei allen wichtigen Festivals Spaniens auf und ist auch etwa in Uruguay, Paris, Portugal, München, London, New York und Washington zu erleben. Heute ist sie eine der bedeutendsten Botschafterinnen ihrer Musik auf der Welt. Für ihre Auftritte und CD-Einspielungen erhielt sie zahlreiche Preise.

Jüngst arbeitete Marina Heredia mit der renommierten katalanischen Theatergruppe „La Fura dels Baus” zusammen. Anlass war das 100-jährige Jubiläum von Manuel de Fallas Ballett „El amor brujo”.

 

Ein Verdienst Martin Luthers ist bekanntlich die Wiederentdeckung der historisch gewachsenen Volkskultur. Er verhalf den Melodien der Menschen zu neuer Aufmerksamkeit unter den Künstlern. Deshalb haben die Hamburger Symphoniker einen Schwerpunkt ihres Reformationsprojekts zur Lutherdekade mit Cantus Populi, Volkes Stimme, überschrieben. (Das Projekt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.) Mit diesem Schwerpunkt wollen wir zeigen, wie die Musik der Menschen zur Musik der Menschheit wurde.

Im 1. Kammerkonzert, mit dem diese vierte Projektphase startet, wenden wir den Blick zunächst nach Spanien. Man zählt die iberische Halbinsel nicht automatisch zu den großen europäischen Musiknationen. Doch der Einfluss der dortigen Volks-Melodien
auf die gesamte abendländische Klassik ist kaum zu überschätzen.

Der 1882 in Sevilla geborene Joaquín Turina brachte sein zweites, zunächst
wohl als Gruppe von drei Nocturnes geplantes Klaviertrio 1933 zu Papier. Einige Jahre
hatte er als junger Mann in Paris zugebracht, wo er mit dem französischen Impressionismus in Kontakt kam, doch nun wirkte er seit Längerem in Madrid. Und das hört man. Beispielsweise im zweiten Satz: Hier wählt Turina den spanischen 5/8-Takt, das Klavier (mit dem Pianisten Ohad Ben-Ari pflegen
die Hamburger Symphoniker seit Langem eine enge und fruchtbare Verbindung) prägt den Höreindruck mit kräftigen Akkorden, zu denen Violine und Violoncello schnelle Figuren beisteuern. Und auch in der Rhythmik und Melodik des dritten und letzten Satzes lassen sich die musikalischen Einflüsse von Turinas Jugendund Studienzeit deutlich erkennen.

Marina Heredia, als temperamentvolle Botschafterin des gesungenen Flamencos eine der größten ihres Fachs und heute zum ersten Mal in Norddeutschland zu erleben, zeigt uns im Anschluss, wie die Volkskultur ihren Weg in die Hochkultur fand. In Manuel de Fallas Ballett „El amor brujo” badet der Geist eines Verstorbenen in Eifersucht. Immer wieder stört er die Liebe des Zigeunermädchens Candelas zu einem jungen Mann namens Carmelo. Zu den unmöglichsten Zeiten kreuzt er bei den beiden auf. Der Versuch, den Geist eines Nachts in einer Höhle durch magische Kreise und rituellen Feuertänze abzulenken, gelingt nicht. Und so plant Carmelo, dem Geist als Ersatz ein anderes Mädchen zu bringen. Candelas Freundin, die hübsche, temperamentvolle Lucia, nimmt die Rolle des Lockvogels ein. Das Experiment gelingt, der Geist findet Gefallen an ihr. Und so ist das junge Liebespaar nun ungestört.

Manuell de Falla entführt uns hier in die Welt der Volksmythen und ist zugleich ganz der Hochkultur verpflichtet. Sein kompositorisches Können ist in diesem vor 100 Jahren entstandenen Werk, das noch immer zu seinen bekanntesten zählt, auf dem Höhe

punkt. Und auch hier sind es vor allem die Rhythmen, die für einen „spanischen“ Eindruck sorgen und de Falla zum bekanntesten und bedeutendsten spanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts machen.

Marina Heredia, die nach der Pause ihr an Überraschungen nicht armes FlamencoProgramm „Recital de corte clásico“ präsentiert, streut ihre Magie in die ganze Welt: Sie entführt uns mit de Fallas Werk sowie mit ihrem eigenen Programm in die Welt der Alegrías, Tangos, Soleares, Malagueñas, Tonás, Rumbas, Siguiriyas, Bulerías und Fandangos. Ihr zur Seite steht ihre bestens eingespielte Band.

Mit diesem Konzart hat die vierte Reformationsprojektphase „Volkes Stimme” gerade erst begonnen: Am 18. November 2015 findet eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Gedanken zur Musikstadt“ statt, an der der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, Roger Wright, langjähriger Chef der London Proms, sowie Opernintendant Bernd Loebe, der das Musiktheater in Frankfurt neu erfunden hat, teilnehmen. Und am 3. Dezember 2015 zeigen wir den mit zehn Goyas ausgezeichneten Stummfilm „Blancanieves“, der 2012 das Volksmärchen „Schneewittchen“ adaptierte – samt Live-Musik und Live-Flamenco.

Text von Olaf Dittmann