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Das 7. Kammerkonzert

 

Wolfgang Amadeus Mozarts einaktige Komödie mit Musik ist eines der formschönen Beispiele aus der Musikgeschichte, in denen Inhalt und Entstehungsgeschichte Hand in Hand gehen. Zunächst zum Inhalt: Mit dem Librettisten Johann Gottlieb Stephanie d. J. entwickelte Mozart eine kurze heitere Handlung, die das Genre des Werkes gekonnt reflektiert. Der titelgebende Protagonist im „Schauspieldirektor“ namens Frank sucht Darsteller für ein neues Stück, hat aber Geldsorgen. Er lässt sich deshalb auf einen Handel mit dem Bankier Eiler ein: Dieser stellt das nötige Geld bereit und schlägt im Gegenzug ein Engagement für seine Geliebte Madame Pfeil heraus. Es folgen Auftritte der Kandidaten – etwa der Sopranistinnen Madame Herz und Mademoiselle Silberklang – wie bei einer TV-Casting-Show, jede will die Erste, die Beste, der Star sein – und dafür am meisten Gage bekommen. Und ebenso wie mancher heutige Juror steht der Schauspieldirektor angesichts der nicht immer zufriedenstellenden Leistungen kurz davor, alles hinzuschmeißen. Später einigt man sich darauf, das Publikum entscheiden zu lassen, welche Schauspieler und Sänger die besten seien.

Auch die Entstehungsgeschichte von Mozarts Werk erzählt von künstlerischer Konkurrenz und dem Buhlen um die Gunst des Publikums. Auch wenn wir uns heute natürlich weitaus besser an Mozart als an seinen Rivalen Antonio Salieri erinnern, hatte Letzterer damals in der Gunst des Wiener Publikums die Nase vorn. Kaiser Joseph II., der Salieri später sogar zum Kapellmeister der kaiserlichen Hofmusikkapelle ernannte (ein Posten, auf den auch Mozart schielte), machte sich einen Spaß aus der Konkurrenz und ließ die beiden Komponisten zu einem Wettstreit antreten. Jeder sollte einen Akt komponieren, der am 7. Februar 1786 im Rahmen eines opulenten „Frühlingsfestes an einem Wintertage“ in der Orangerie des Schlosses Schönbrunn aufgeführt wurde. Außer zahlreichen Wiener Gästen waren auch Josephs Schwester Erzherzogin Marie Christine und ihr Gatte Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen zugegen.

Mozart sollte beginnen. Und möglicherweise war dies schon seine Niederlage. Denn sein „Schauspieldirektor“ erschien so lediglich als eine Art Vorspiel für Salieris anschließende italienische Opera buffa „Prima la musica e poi le parole“ – die übrigens ebenfalls eine Theater-Intrige zum Thema hat und sich über Lorenzo da Ponte, der bekanntlich Libretti für Mozarts große italienische Opern geliefert hatte, lustig macht. Mozart erlitt also eine Niederlage; eine unverdiente Niederlage angesichts dieses amüsanten „Schauspieldirektors“.

Annähernd 450 Konzerte hat der seit seiner Priesterweihe im Jahr 1703 aufgrund seiner roten Haare der „rote Priester“ („il prete rosso“) genannte Antonio Vivaldi (1678-1741) verfasst. Nahezu jedes der zu seiner Zeit populären Soloinstrumente bedachte er zumindest mit einem Opus. Sein barockes Konzert in g-Moll ist das einzige, das er für zwei Violoncelli schrieb. Nicht oft bietet sich die Gelegenheit, dieses Streichinstrument, das viele Fans insbesondere aufgrund seiner Nähe zur menschlichen Stimme so lieben, in doppelter Ausführung solistisch zu hören. Vivaldi versteht es, beiden Cellisten genügend Raum zu geben, aber auch den Wohlklang hervor zu zaubern, wenn sie beide gemeinsam spielen. Er selbst war einer der bedeutenden Violinvirtuosen seiner Zeit und musizierte etwa in Wien und Amsterdam. Der Plan, seine Heimat Venedig zu verlassen, um am Wiener Hof eine Stelle zu erhalten, misslang jedoch. Vivaldi starb 1741 an der Donau in bitterer Armut.

Der Spanier Pablo de Sarasate (1844-1908) war einer der zahlreichen Geigenvirtuosen des 19. Jahrhunderts, die zudem auch komponierten. Mit 13 Jahren gewann er den ersten Preis am Pariser Conservatoire. Und schon wenige Jahre später stand er regelmäßig auf vielen europäischen Podien und wurde als einer der berühmtesten Geiger des Kontinents gefeiert. Man muss sich ihn als einen technisch äußerst versierten Musiker vorstellen, der mit seinem weichen Klang das Publikum und andere Komponisten zu verzaubern vermochte. Bruch und Saint-Saëns etwa widmeten ihm eigene Violinkonzerte.

Seine ebenfalls begeistert aufgenommenen Kompositionen atmen vornehmlich den Geist spanischer Tanzmusik. Spanienkenner hören bei ihm die einzelnen Regionen heraus, etwa das Baskenland, Andalusien oder Aragonien. Die Region Navarra verehrte er mit seinem 1889 erschienenen Werk für zwei Violinen und Orchester. Wir hören darin nach einer Einleitung verschiedene Tänze und erhalten somit eine Art folkloristischen Überblick. Technisch ist hier die gesamte Bandbreite zu erleben, die die Violine bereithält. Kein Wunder, wenn der Komponist Sarasate heißt.

Ihren Titel erhielten die sechs Brandenburgischen Konzerte dank ihrer Widmung an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg (1677-1734). Johann Sebastian Bach (1785-1850) schrieb sie vermutlich in den Jahren 1718 bis 1721 für seine Köthener Hofkapelle. Es handelt sich um Concerti grossi nach italienischem Vorbild, in denen sich Tuttiund Solopassagen abwechseln, unverkennbar hatte Antonio Vivaldi einen gewissen Einfluss auf Bach. Allerdings bildet das dritte Konzert in G-Dur eine Ausnahme. Hier verzichtet Bach auf Soloabschnitte – kennzeichnend sind vielmehr drei gleichberechtigte Streichergruppen: Violinen, Bratschen und Celli. Zudem ist der Adagio-Satz auf eine kurze Kadenz verkürzt.