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Sibelius: Violinkonzert d-Moll Op. 47

Jean Sibelius

* 8. Dezember 1865 in Hämeenlinna, Finnland
20. September 1957 in Tuusula bei Järvenpää, Finnland

Violinkonzert d-Moll Op. 47

Entstehung: 1903, rev. 1905
Uraufführung: 1904; 1905 in Berlin (rev. Fassung)
Widmung: Ferenc Vecsey
Spieldauer:  ca. 32 Minuten

 

Keinem skandinavischen Komponisten sind Klischee-Zuschreibungen wohl mehr zum Verhängnis geworden als dem Finnen Jean Sibelius. Erstens schuf er mit der „Finlandia“ die inoffizielle Hymne seines Heimatlandes. Zweitens ging er im Laufe des 20. Jahrhunderts seine eigenen, also nicht immer modernen Wege. Und drittens zog er sich schon bald in sein einsames Landhaus zurück. Fortan war er also der „grüblerische Finne“. Wie Alex Ross in seiner lesenswerten Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts „The Rest Is Noise“ schreibt, litt Sibelius sehr darunter, dass er als dieser zwar in England und den USA gefeiert, in Deutschland zunächst aber als „kitschig“ abgetan wurde. Er trank – und wurde noch einsamer.

Sein wenige Jahre nach der „Finlandia“ entstandenes Violinkonzert ist eines seiner bekanntesten Werke. Er war selbst ein guter Geiger und wusste, welche Spielweisen technisch möglich sind und wie die Virtuosität besonders gut zur Geltung kommt. Mitunter wurde dieses Konzert deshalb als spätromantisches Virtuosenstück voller Effekt abgetan. Jedoch erscheinen die Solopassagen nicht als Selbstzweck. Gemeinsam finden Solist und Orchester in rhapsodischer Form elegant zusammen. Der musikalische Gesamtgedanke steht immer im Vordergrund.

Zu Beginn des Konzerts spielen die Violinen gedämpft (con sordino) ein Tremolo, und schon nach wenigen Takten setzt der Solist ein. Zentral in diesem Kopfsatz, der drei Themen und sämtliche Stimmungen zwischen Freud und Leid vereint, ist eine ausgeprägte Solokadenz, die Sibelius anstelle einer Durchführung platziert. Der lyrische zweite Satz in dreiteiliger Liedform ist geprägt von einem üppigen Hauptthema. Hier wäre die Bezeichnung „schwermütig“ möglicherweise angemessen. Aber Sibelius scheint auch hier nicht als Finne, sondern einfach als Mensch mit einem reichen Innenleben zu „singen“.

Das Finale, dessen mitunter bizarrer Charakter ihn selbst zu der Beschreibung „danse macabre“ verleitete, ist voller tänzerischer Finesse. Das erste Thema, welches von der Solovioline zu einem treibenden Paukenrhythmus vorgestellt wird, entstammt unüberhörbar der Volksmusik, ist aber geschickt integriert.

Wir hören also: Sibelius war weit mehr als ein finnischer Komponist. Er war ein europäischer Komponist mit immenser Bedeutung für die Musikgeschichte. Wer bei ihm nur Weite, Wälder und Wehmut hören will, tut ihm Unrecht.