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Holmboe: Symphonie Nr. 7 M.167
 

Vagn Holmboe

* 20. Dezember 1909 in Horsens, Dänemark
† 1. September 1996 in Ramløse, Dänemark

Symphonie Nr. 7 M.167

Entstehung: 1950
Spieldauer: ca. 24 Minuten

 

Ausgerechnet der Däne Vagn Holmboe scheint, sofern man die eingangs erwähnten Klischees bemühen will, ein echter Finne zu sein: Seine Siebte ist so weit im Klang, so rätselhaft in ihrer Form und so dunkel in ihrer Aussage wie der finnische Wald. Aber vor allem ist sie eine europäische Symphonie aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, an der natürlich Strawinsky, Schostakowitsch oder Bartók einige Spuren hinterlassen haben: Etwa, wenn es um gegenläufige Rhythmen, dissonante Blechbläserakkorde oder Volksmusikelemente geht.

Dieses Werk hat zwar Unterteilungen; so entdecken wir vier Sätze, die durch drei zaghafte Zwischenspiele zu einem Ganzen verbunden sind. Holmboe mithilfe einer Formanalyse auf die Schliche kommen zu wollen, ist allerdings ein eher unnützes Unterfangen. Wesentlicher Grund dafür, dass seine Symphonien ganz anders als gewohnt sind, ist nämlich eine von ihm entwickelte Metamorphose-Technik.

Natürlich haben auch schon frühere Komponisten wie etwa Liszt oder auch Sibelius ihre Themen immer weiter verändert. Holmboe treibt die Entwicklung eines einfachen musikalischen Gedankens zu immer wieder neuen Abwandlungen jedoch ins Extrem.

Ein Keim des Anfangs formt das große Ganze. Er selbst beschreibt dies wie folgt: „Die Metamorphose gründet in einem Prozess, der eine Sache in eine andere verwandelt, ohne dass sie ihre Identität, ihre grundlegenden Charakterzüge verlöre. Metamorphische Musik ist daher natürlicherweise einheitlich geprägt, was unter anderem bedeutet, dass Kontraste – wie stark sie auch sein mögen – immer aus derselben materiellen Substanz geschaffen sind.“

Holmboe, der in Kopenhagen und Berlin ausgebildet wurde und zwischen Carl Nielsen und seinem eigenen Schüler Per Nørgård als wichtigster Symphoniker Dänemarks gilt, komponierte nicht, wie mitunter behauptet wird, atonal. Er bewegt sich hier durchaus im funktionsharmonischen Raum, verwendet allerdings häufig die für uns eher ungewohnten Kirchentonarten. Ihn interessierte die Verbindung, nicht die Trennung. Auf die Konzertsituation übertragen bedeutet dies in seinen eigenen Worten: „In ihrer reinsten Form sind die Freude über Musik und ihr Erlebnis direkt und unmittelbar; sie können als Ausdruck eines vollendeten Ganzen erfahren werden und ein Gefühl für kosmische Zusammenhänge wecken. Sie können [...] den Zuhörer über das Alltagsbewusstsein hinaus führen. Entscheidend ist, dass ein Gefühl der Identität zwischen dem schaffenden und dem empfangenden Menschen entsteht.“ Wie wahr!