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Grieg: „Aus Holbergs Zeit“

Edvard Grieg

* 15. Juni 1843 in Bergen, Norwegen
† 4. September 1907 in Bergen, Norwegen

„Aus Holbergs Zeit“ Suite im alten Stil für Streichorchester Op. 40

Entstehung: 1885 (Fassung für Streichorchester)
Uraufführung: 1884 in Bergen (Fassung für Klavier)
Komponiert: anlässlich Ludvig Holbergs 200. Geburtstags
Spieldauer: ca. 22 Minuten

 

Trotz einiger Jahrzehnte des europäischen Zusammenwachsens denken wir immer noch in Klischees: Der Süden ist faul (und deshalb verschuldet), die Mitte strebsam und der Norden klar und kalt und verzaubert. Derlei Zuschreibungen sind aber nicht nur politisch, sondern auch ästhetisch fatal. Hat Skandinavien nicht weitaus mehr zu bieten als Schnee, Weite und Fantasiewesen? Gibt es nicht auch dort Wärme, Tanz und Helligkeit – also Kontraste?

Der Norweger Edvard Grieg nahm die europäische Annäherung bereits vorweg, indem er seine Holberg-Suite „im alten Stil“ schrieb und sich an der geistlichen und höfischen Musik aus der Zeit Bachs und Händels orientierte. Grieg selbst sprach trotz mancher „nordisch-romantischer“ Klänge, die ebenfalls einflossen, deshalb von seinem „Perückenstück“. Und schon sein Lands- mann Ludvig Holberg (1684-1754), zu dessen 200. Geburtstag Grieg neben der Suite eine A-capella-Kantate für Männerstimmen schrieb, verfasste seine Werke auf Dänisch, verarbeitete in ihnen Elemente der italienischen Commedia dell‘arte und wurde gar „Molière des Nordens“ genannt.

Die fünf Sätze entsprechen barocken Tanzformen und starten mit einem einer Tokkata ähnlichen Präludium in der festlichen Tonart G-Dur. Das lebhafte Allegro ist geprägt von einem Rhythmus, den schon kleine Kinder zur Imitation des Reitens nutzen: Eine Achtel und zwei Sechzehntel im schnellen Wechsel und stark akzentuiert.

Noch vor Holbergs Zeit wurde die Sarabande schnell zelebriert. Einst war der Tanz aufgrund seiner Erotik sogar von der spanischen Inquisition verboten; erst später verlangsamte sich das Tempo. Hier steht die Sarabande im Andante, in Moll und im piano. Dafür kann die Gavotte im Anschluss heiter aufspielen: Das helle Dur, die mitunter verspielte Melodieführung und die Akzente auf der Eins des Taktes laden in der Tat zum Tanzen ein.

Die Basis des folgenden Andante religioso in der geistlichen Musik ist nicht zu überhören. Aus dem G-Dur ist ein g-Moll geworden. Und nicht zuletzt die Bassfiguren samt Moll-Akkorden in den hohen Streichern erinnern an Bach. Con brio, also mit Feuer, dann der letzte Satz, der französische Reihen- und Paartanz Rigaudon: Er beinhaltet die vielleicht bekannteste Passage dieser Suite, eine abwärts führende Figur am Ende des zweiten Abschnittes im fortissimo mit einem synkopierten Innehalten in mittlerer Lage.