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Vivaldi: Konzert für Mandoline (Laute)

Was ist das für ein Klang? Hell und zart, aber auch mal kraftvoll-zupackend und dann mit einem überraschenden Volumen präsentiert sich die auf der Bühne eher ungewohnte Mandoline. Man könnte an eine Harfe in hoher Lage denken. Oder an ein Cembalo. Auf jeden Fall beeindruckt die Klarheit: Im Gegensatz etwa zur Gitarre lässt sich die Mandoline kaum für ein aufgesetztes Pathos missbrauchen.

Im Italien des 18. Jahrhunderts wurde das Instrument bekannt und beliebt. Bald setzte sie sich in den Salons des Pariser Adels durch und schuf sich so in Frankreich ihr Zentrum. Auch Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Nepomuk Hummel und Ludwig van Beethoven lernten sie kennen und widmeten ihr etwa Lieder mit Mandolinenbegleitung und Kompositionen für Mandoline und Klavier – sie war eben in erster Linie ein Instrument für den kleinen Kreis. Jedoch enstanden auch Konzerte für Mandoline und Orchester. Und eines ihrer wichtigsten Denkmäler wird noch heute allabendlich in den Opernhäusern dieser Welt immer wieder neu aufgerichtet, wenn sie in der Arie “Deh vieni alla finestra“ aus Mozarts „Don Giovanni“ erklingt.

Das 19. Jahrhundert, das im üppigen Orchesterklang der Romantik schwelgte, meinte es nicht gut mit der zarten Mandoline. Sie führte ein Schattendasein in der italienischen Volksmusik und erlebte erst im 20. Jahrhundert zumindest in musikalischen Teilbereichen eine Wiederentdeckung. Arnold Schönberg nutzte sie, und im Laufe der folgenden Jahrzehnte entstanden zahlreiche Werke zeitgenössischer Komponisten. Spätestens seitdem der Popmusiker Mike Oldfield auf seinem Album „Tubular Bells“, die Band R.E.M. in dem Song „Losing My Religion“ oder die Folk-Rock-Band The Hooters regelmäßig die Mandoline einsetzten, dürfte ihr Klang einer breiten Masse vertraut sein.

Die Entstehungsgeschichte der vier Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach, die er aufgrund der charakteristischen Eröffnungssätze französischen Ursprungs selbst als “Ouvertüren” bezeichnete, ist vernebelt. Insbesondere die Überlieferung der Orchestersuite D-Dur war lange so ungesichert, dass viele Wissenschaftler noch nicht einmal für Bach als Komponist ihre Hand ins Feuer legen wollten. Erst 1873 konnte durch das Auffinden der Kantate „Unser Mund sei voll Lachens“ – deren erster Satz auf der Ouvertüre beruht – zweifelsfrei festgestellt werden, dass es sich bei der vierten Orchestersuite um ein Werk Bachs handelt. Da die Kantate am Ersten Weihnachtstag aufgeführt wurde, erweiterte der Komponist die Besetzung um drei Trompeten und Pauken als klangliche Symbole für die königliche Geburt Christus‘.

Neben der besonderen Instrumentation und dem kontrastvollen Spiel zwischen Holzbläsern, Blechbläsern und Streichern weist die Ouvertüre im Vergleich zu den Schwester-Suiten mit der triolisch im 9/8-Takt fließenden Gigue eine weitere Besonderheit auf.

Johann Nepomuk Hummel könnte wohl einiges erzählen. Heute deutlich weniger bekannt als seine Zeitgenossen, war er um 1800 aber eine Art Bindeglied zwischen zahlreichen namhaften Komponisten. 1778 in Preßburg geboren, war er zwei Jahre lang Schüler Wolfgang Amadeus Mozarts – und auch Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri übten lehrenden Einfluss auf den jungen Mann aus. Er führte bald ein einem aufstrebenden Pianisten angemessenes Leben, war auf Reisen, wurde vom “Marketing” aufgebaut und von den Zuhörern umjubelt. Auf seiner ersten, ausgedehnten Konzertreise besuchte er zwischen 1788 und 1793 Berlin, Kopenhagen, Schottland und London. Und ebendort an der Themse nahm sich zudem noch Joseph Haydn seiner an – einige Jahre später wurde Hummel dann Haydns Nachfolger als Leiter der Esterházy-Kapelle in Eisenstadt. Er reiste quer durch Europa, lebte in Wien und starb 1837 in Weimar. Fréderic Chopin und Franz Liszt gelten als seine Erben – und Robert Schumann als sein Kritiker: Hummel habe zuviel “Zweckloses und Angehäuftes” in seinen Werken, befand dieser. Sieben Klavierkonzerte schuf Hummel, doch bis auf ein Trompetenkonzert aus seiner Feder ist heute nicht mehr viel bekannt.

In der Musik Hummels spürt man oft die Spannung des Übergang von einer Epoche zur anderen: Noch nicht Romantik, aber auch nicht mehr ganz Klassik. In seiner frühen Schaffensphase orientierte er sich noch gern am Vorbild Mozart; erst später atmeten seine Kompositionen den Geist der Romantik. Sein Mandolinenkonzert schrieb er 1799; entsprechend beeindruckt es mit seiner klaren, noch dem 18. Jahrhundert verbundenen Formsprache.

Knapp 450 Konzerte hat der seit seiner Priesterweihe im Jahr 1703 aufgrund seiner roten Haare „der „rote Priester“ („il prete rosso“) genannte Antonio Vivaldi verfasst. Nahezu jedes der zu seiner Zeit populären Soloinstrumente bedachte der Komponist dabei zumindest mit einem Opus, so auch die Laute: Insgesamt vier Werke schrieb er für dieses Zupfinstrument, welches heutzutage bevorzugt durch die Mandoline ersetzt wird. Das D-Dur-Konzert entstand in den 1730er Jahren. Der erste Satz ist ritornellartig aufgebaut und verarbeitet zwei kontrastvolle Themen in einem abwechslungsreichen Vexierspiel zwischen Tutti und Solo. Das folgende Largo nannte der Musikkritiker Brian Robins eine „reflektierte Meditation des Solisten“, begleitet von den Solo-Violinen und dem Pizzicato im Basso continuo. Den Abschluss bildet das fulminante Allegro im 12/8-Takt, in dem der Solist nochmal mit seiner Virtuosität brillieren kann.

Antonio Vivaldi war selbst einer der bedeutenden Violinvirtuosen seiner Zeit, er musizierte etwa in Wien und Amsterdam. Der Plan, seine Heimat Venedig zu verlassen, um am Wiener Hof eine Stelle zu erhalten, misslang jedoch. Vivaldi starb an der Donau 1741 in bitterer Armut.

Jupiter – das klingt nach Erhabenheit, Ewigkeit und unermesslicher Größe. Wie der Beiname zu Wolfgang Amadeus Mozarts 41. Symphonie in die Welt kam, lässt sich nicht genau klären. Allerdings passt der höchste Gott der Römer als Namensgeber offenbar perfekt. Schließlich überdauerte das Werk die Jahrhunderte mühelos, es gilt bis heute als eines der absoluten Highlights in der Musikgeschichte, für viele der Höhepunkt der Klassik vor Beethoven. Zudem schließt die am 10. August 1788 in Wien vollendete Symphonie das Trio seiner letzten, allesamt innerhalb von nur sechs Wochen des Sommers 1788 geschriebenen Symphonien ab. Mancher spricht hier von einem „Dreigestirn“ – was wiederum zu dem planetarischen Beinamen passt.

Für Biographen spannend sind die Lebensumstände, in denen sich Mozart 1788 befand. Keine Frage, er hatte seinen Zenit längst überschritten. Er hatte Sorgen, Schulden, und es mangelte an Aufträgen und öffentlichen Auftritten, so dass selbst die alltäglichsten Ausgaben schwer zu bestreiten waren. Und dennoch spricht diese Symphonie eine ganz andere Sprache. Sie ist nicht nur optimistisch, sondern geradezu strahlend und voller Lebenskraft.

Formal ist sie mit ihren vier Sätzen – der erste schnell und in der Form eines Sonatenhauptsatzes, der zweite langsam, der dritte ein Menuett und der vierte ein Finale, das noch einmal alles Vorherige in den Schatten stellt – das Sinnbild einer klassischen Symphonie. Vor allem ist es dieses Finale, das den Ruhm begründete. Denn hier vereint Mozart alte und neue Form, indem er den Kontrapunkt des Barock mit seiner eigenen klassischen Tonsprache zusammenführt. Und zugleich ist die Anlage dieses Satzes überhaupt nicht verkopft, sondern voller spielerischer Leichtigkeit.

Mit diesem Programm führt uns Jonathan Cohen, einer der herausragenden englischen Dirigenten der jungen Generation, also von den Perlen des Hochbarock zum Höhepunkt der Klassik. Zwei Mandolinenkonzerte bilden dabei die Plattform für einen anderen absolut bemerkenswerten und zugleich höchst ungewöhnlichen Musiker unserer Tage: Für Avi Avital mit seiner Mandoline. Erleben Sie eine Wieder-, wenn nicht gar eine echte Neuentdeckung!