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Walton: Konzert für Viola Op. C22

William Walton

* 29. März 1902 in Oldham (England), † 8. März 1983 auf Ischia (Italien)

Konzert für Viola und Orchester Op. C22

Entstehung: 1928/29, rev. 1961
Uraufführung: 3. Oktober 1929 in London mit Walton und Hindemith
Widmung: Christabel McLaren, Lady Aberconway
Spieldauer: ca. 25 Minuten

 

„Das Land ohne Musik“, lautete der Titel eines 1904 erschienenen Buches über „englische Gesellschaftsprobleme“. Scharf, aber treffend: In der Tat zogen Klassik und Romantik vorüber, ohne dass England einen wirklich namhaften Komponisten hervorbrachte. Als sich William Walton mit seinem Bratschenkonzert höchste Anerkennung erwarb, hatte Edward Elgar allerdings bereits für Abhilfe gesorgt. Dessen erste Symphonie galt als Erlösungswerk. Im 20. Jahrhundert war England ein Land mit Musik.

War es im Falle von Waltons Konzert sogar zu viel (zeitgenössische) Musik? Dem Bratschisten Lionel Tertis, der als erster für die Uraufführung angefragt wurde, schien es zu modern. Allerdings zeigte er sich später „beschämt und zerknirscht“ und revidierte diese Einschätzung komplett. Zu Recht. Es ist ein außergewöhnliches Konzert.

Unkonventionell ist, dass das Werk mit dem langsamsten Satz beginnt. Die Solobratsche stellt uns zwei Themen vor. Das eine verbindet abfallende Linien mit großen Intervallsprüngen nach oben; das andere fällt durch den geringeren Tonumfang und die punktierten Viertelnoten auf. Oft sind es Sexten, die der Solist zu greifen hat. Wir erkennen schon hier, was das Besondere an Waltons Melodieführung ist: Er legt größten Wert auf technische Details. So setzt er Akzente, die nicht immer mit den schweren Taktzählzeiten übereinstimmen, und wechselt zwischen Legato und Stakkato. Zudem lässt er gar nicht erst zu, dass wir uns auf einem Rhythmus ausruhen: Er wechselt vom 2/4- zum 3/8- zum 3/4-Takt und scheut selbst vor einem 7/4-Takt nicht zurück. Es entwickelt sich eine recht lebhafte Durchführung, das Satzende verklingt jedoch wieder verhalten.

Das folgende Vivo, con molto preciso ist deutlich schneller. Die einzelnen Orchesterstimmen, die Motivfetzen einwerfen, haben es nicht leicht. Der mit 3/4 versetzte 2/4-Takt ist schwer zu zählen. Kurze Passagen mit synkopierten Rhythmen bringen vorübergehend eine ausgelassene Verschnaufpause – hier spielte sicher der Einfluss des Jazz eine wichtige Rolle.

Für das Finale wählte Walton nicht etwa einen 4/4-Takt, sondern einen 2/2-Takt, der etwas Schwerfälliges hat. Eine überraschend lange Orchesterpassage, expressiv und laut, beruhigt sich wieder und leitet über zur Solobratsche. Der melodische Ausdruck wird breiter, mitunter gar lieblich, lange LegatoBögen herrschen vor. Wir hören die bereits bekannten Themen. Am Ende überwiegt Resignation.