Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Tschaikowsky: Symphonie Nr. 4

Peter I. Tschaikowsky

* 7. Mai 1840 in Wotkinsk, † 6. November 1893 in St. Petersburg

Symphonie Nr. 4 f-Moll Op. 36

Entstehung: 1877
Uraufführung: 1878 unter Nikolaj Rubinstein in Moskau
Widmung: Madame von Meck
Spieldauer: ca. 40 Minuten

 

Tschaikowskys höchstes Ideal war Mozart. Beim späten Beethoven hörte er nur Chaos und Nebel, Brahms empfand er als kalt und reizlos, selbst Wagner langweilte ihn. Einer von Tschaikowskys Erfolgen ist, die russische Musik zu Weltgeltung erhoben zu haben. Ein anderer ist, uns überaus leidenschaftliche Musik mit zum Teil Mozartscher Finesse hinterlassen zu haben. Nach seiner eigenen Aussage habe er sich immer bemüht, „in meiner Musik die ganze Qual und Ekstase der Liebe auszudrücken“. Vielleicht ist es die Mischung aus russischem (sein Vater) und französischem Blut (seine Mutter), die ihm Empfindsamkeit und Leidenschaft mitgegeben hat.

Als seine vierte Symphonie entstand, trug sich gerade die größte Tragödie seines Lebens zu: 1877 heiratete er, verließ seine Frau allerdings gleich wieder, erlitt einen Nervenzusammenbruch und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Man kommt kaum daran vorbei, diesen biografischen Hintergrund als Blaupause für dieses Werk heranzuziehen.

In einem seiner unzähligen Briefe erläuterte Tschaikowsky das Programm seiner Symphonie: Schon die Einleitung ist eine Art inhaltliche Keimzelle. In diesen ersten Takten erleben wir die „Schicksalsgewalt“ – das um einen Ton kreisende Hauptthema mit seinen kräftigen Triolen. Dieses „Fatum“, so Tschaikowsky, kontrolliere uns beständig, so dass Glück und Friede niemals vollkommen würden. „Man muss sich ihm unterwerfen und seine Zuflucht in vergeblichen Sehnsüchten suchen.“ Auch wenn man sich – wie zwischendurch im ersten Satz – in seligen Träumen einrichtet, holt einen das Schicksal ein.

Im Andantino kommen wir etwas zur Ruhe. „Ein Schwarm von Erinnerungen taucht auf“, so Tschaikowsky. „Und Sie sind traurig, weil so vieles schon hinter Ihnen liegt.“ Der dritte Satz ist mit wilden Pizzicato-Läufen der Streicher und Flöten-Miniaturen einer der markantesten in Tschaikowskys symphonischen Schaffen; eine „launige Arabeske“, so der Komponist. Es erklingen Gassenhauer und eine Militärparade. Eine Verschnaufpause in dem Reigen der Emotionen also: Es sei als tränke man ein Glas Wein.

„Wenn Sie in sich selbst keinen Anlass zur Glückseligkeit finden, blicken Sie auf andere“, fordert uns Tschaikowsky mit Blick auf den vierten Satz auf. Das Leben sei schließlich „doch zu ertragen“, wenn wir uns einer „Volksbelustigung an einem Feiertag“ zuwenden. Bekanntlich sind wir selbst das Volk. Also feiern wir – am besten die Musik!