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Corelli: Weihnachtskonzert

Hauptsache, man kennt die richtigen Leute. Das war Ende des 17. Jahrhunderts nicht anders als heute. Arcangelo Corelli (1653-1713) kannte unter anderen die in Rom lebende Königin Christina von Schweden sowie die Kardinäle Pamphili und Ottoboni, die für seinen Lebensunterhalt sorgten. Als Sohn einer wohlhabenden Familie aus der Nähe von Ravenna wurde Corelli von seinem 13. Lebensjahr an ausschließlich in der Musik unterrichtet. In Rom studierte er Komposition – und fand dort seine Gönner. Er wurde ein höchst anerkannter Geiger und Konzertmeister, über zahlreiche Schüler gab er sein Wissen an die nachfolgenden Generationen weiter. Heute anrüchig, war die Abhängigkeit eines Künstlers von Adel, Klerus und anderen Gönnern damals völlig normal. Dieser Arbeitsbeziehung verdanken wir das wohl bekannteste Werk Corellis: Sein „Weihnachtskonzert“ ist das achte seiner zwölf Concerti grossi op. 6.

Es zählt zu seinen Spätwerken, in denen die italienische Barockmusik auf einem Höhepunkt angekommen war und in denen sich wohl das persönliche Naturell des Komponisten widerspiegelt– so zumindest legen es die Biografen Corellis nahe. Diese Nr. 8 der Concerti grossi gilt zudem als das reifste seiner Konzerte; Orchesterklang und Solistenstimmen halten sich maßvoll die Waage. Der Schlussteil beinhaltet übrigens ein Pastorale, also eine SchäferWeise: Hier ist es ein Largo im 12/8-Takt. Man beachte die langgezogenen Basstöne, die einen Dudelsack imitieren könnten. Bekanntlich hat auch Johann Sebastian Bach in seinem Weihnachts-Oratorium ein Pastorale eingebaut, um den Dialog zwischen den Hirten und den Engeln zu intonieren. Und Ludwig van Beethovens sechste Symphonie trägt aufgrund ihrer Nähe zur ländlichen Musiktradition gar den Untertitel „Pastorale“.

Felix Mendelssohn Bartholdys (18091847) Streichersymphonien wurden im häuslichen Rahmen in Berlin aufgeführt, wohin die Familie des in Hamburg Geborenen übergesiedelt war. Spätestens mit dem Umzug innerhalb der (zum damaligen Zeitpunkt) ehemaligen preussischen Hauptstadt in das Palais von der Recke in der Leipziger Straße stand von 1825 an ein Saal zur Verfügung, der eine stattliche Anzahl von Musikern beherbergen konnte. Die ersten Streichersymphonien, oft einfach „Sinfonias“ genannt, entstanden schon während Mendelssohn Bartholdys Unterrichtsjahren bei Carl Friedrich Zelter, nämlich 1821. Und diese zehnte Streichersymphonie schrieb er nur wenig später, mit erst 14 Jahren. Seine insgesamt zwölf Streichersymphonien sind die Arbeiten eines Jugendlichen, der gar nicht anders konnte, als sich an seinen großen Vorbildern zu orientieren: Corelli, Vivaldi, Mozart.

Antonio Vivaldi (1678-1741) schrieb sein Konzert in B-Dur eigentlich für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo.
Ilie Muntean, seit bald 30 Jahren Erster Trompeter der Hamburger Symphoniker, arbeitete die Solostimme der Oboe für Trompete um. Vom Holz zum Blech also. Es ist sehr faszinierend, welch neuer Charakter sich allein durch diese Verschiebung vom einen zum anderen Blasinstrument für das gesamte Konzert ergibt. Vivaldi war ebenso wie Corelli einer der bedeutenden Violinvirtuosen seiner Zeit, er musizierte etwa in Wien und Amsterdam. Der Plan, seine Heimat Venedig zu verlassen, um am Wiener Hof eine Stelle zu erhalten, misslang jedoch. Vivaldi starb an der Donau

1741 in bitterer Armut. Vivaldis Konzerte haben eine klare Struktur als Basis. Ein eher langsamer Mittelsatz wird meist umrahmt von zwei schnelleren Sätzen. Igor Strawinsky
ließ sich einmal zu einem spöttischen Bonmot hinreißen: Vivaldi habe dasselbe Konzert etwa 600 Mal komponiert. Das ist natürlich höchst unwahr oder zumindest sehr vereinfacht dargestellt. Klar ist aber auch, dass eine echte Entwicklung, etwa ein Unterschied
vom Frühzum Spätwerk in Vivaldis Schaffen nicht immer auszumachen ist.

Die Serenaden von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) sind wie etwa seine Divertimenti Unterhaltungsmusik für höfische und bürgerlich-priviligierte Gesellschaften,
die er – umso beeindruckender – fast wie nebenher schrieb. Darin reiht er Tanzstücke und etwa Märsche nebeneinander, oft bestehen sie aus vielen kleinen Abschnitten, um die Gäste möglichst kurzweilig zu unterhalten. Die Haffner-Serenade schrieb er im Juli 1776 als Hochzeitsmusik für Elisabeth Haffner,
die Tochter des Salzburger Bürgermeisters. Für den 20-Jährigen war dies ohne Zweifel eine große Ehre. Entsprechend umfangreich,

länger als für eine Serenade üblich, wurde das Werk dann auch. Für das heutige Konzert haben wir die ersten vier der insgesamt
acht Sätze ausgewählt. Interessant ist, dass Mozart hier außerdem die Formgrenzen
einer Serenade sprengt, indem er die Sätze zwei bis vier – also nach einem heiteren, ausgedehnte Allegro zu Beginn – als getarntes Solokonzert für Violine gestaltet. Zwar war
es damals keineswegs unüblich, in eine Serenade solistische Passagen einzubauen. Dafür allerdings gleich drei Sätze zu nutzen, ist durchaus besonders. Auch die Besetzung ist für eine Serenade ungewohnt üppig: Neben den Streichern sind jeweils zwei Fagotte, Hörner, Trompeten sowie Oboen oder Flöten geplant. Die Grenzen einer Gelegenheitsmusik werden hier deutlich überschritten.