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Mahler: „Rückert Lieder“

Gustav Mahler

* 7. Juli 1860 in Kalischt (Böhmen), † 8. 8. Mai 1911 in Wien

Fünf Lieder nach Friedrich Rückert

Entstehung: 1901/02
Uraufführung: 29. Januar 1905 in Wien unter Gustav Mahler
Erstveröffentlichung: 1905 als „Sieben Lieder aus letzter Zeit“ (zusammen mit zwei weiteren Liedern)
Spieldauer: ca. 20 Minuten

 

In einem der Rückert-Lieder heißt es: „Ich bin der Welt abhanden gekommen / Mit der ich sonst viele Zeit verdorben / Sie hat so lange nichts von mir vernommen / Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben.“ Das lyrische Ich hat sich von der Welt losgesagt. In großer Ruhe, aber auch in unermesslicher Einsamkeit lebt es fort: „Ich leb‘ allein in meinem Himmel / In meinem Lieben, in meinem Lied.“

Kein Gott kommt dem Ich zu Hilfe, auch der Himmel ist einsam. Kein Wunder, dass dieses Lied Mahlers wohl berühmtestes werden sollte. So klar bringt es das Lebensgefühl der „gottlosen“ Jahrhundertwende zum Ausdruck. (Im Rahmen ihres bis 2017 verlängerten Reformationsprojektes befassen sich die Hamburger Symphoniker zurzeit mit dem Verhältnis von Reformation und Moderne.)

Die Lieder zu Gedichten des von Gustav Mahler verehrten Friedrich Rückert zeichnet eine große Innerlichkeit aus, und sie sind – zumindest „Liebst du um Schönheit“ – Ausdruck von Mahlers tiefer und bisweilen unglücklicher Liebe zu seiner Ehefrau Alma. Ende 1901 hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht. Im März 1902 heirateten sie. Und Bruno Walter notierte daraufhin skeptisch: „Er ist 41 und sie 22, sie eine gefeierte Schönheit, gewöhnt an ein glänzendes gesellschaftliches Leben, er so weltfern und einsamkeitsliebend; und so könnte man noch eine Menge von Bedenken anführen...“

Während Mahler die Kindertoten-Lieder, dessen Textgrundlage ebenfalls von Friedrich Rückert stammte, als Zyklus konzipierte, sind die Rückert-Lieder eigenständige, teilweise recht kurze Einzelwerke; beispielsweise ist die Größe und die Zusammensetzung des Orchesters nicht einheitlich. Melodie und Harmonik sind freilich ganz anders gestaltet als bei Berg, dessen Altenberg-Lieder erst rund zehn Jahre später entstanden.

Das „Blicke mir nicht in die Lieder“ wird in Mahlers Händen zu einer neckischen Spielerei. In „Ich atmet‘ einen linden Duft“ spielt Rückert mit den Worten „lind“, „Linde“ und „gelinde“, und Mahler unterlegt sie mit einer sanft schwingenden Melodie. In „Um Mitternacht“ deklamiert die Singstimme ihren Text geradezu, und „Liebst du um Schönheit“ besticht durch die vielseitigen melodischen Variationen. Das wehmütige und vergleichsweise lange „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ stellen Michaela Schuster und Jeffrey Tate an den Schluss der heutigen Aufführung.