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Haydn: Symphonie Nr. 88

Joseph Haydn

* 31. März 1732 in Rohrau (Niederösterreich), † 31. Mai 1809 in Wien

Symphonie Nr. 88 G-DUR HOB I:88

Entstehung: 1787
Auftraggeber: Johann Peter Tost, Wiener Tuchhändler und Geiger
Spieldauer: ca. 22 Minuten

 

Mit dem 2. Advent am heutigen Sonntag bereiten sich die Christen auf das Fest zur Ankunft Jesu vor (adventus = lat. Ankunft). Und mit Blick auf Weihnachten, dem freudigen ersten der drei Hauptfeste im Kirchenjahr, darf man durchaus heiterer, ausgelassener Stimmung sein. Joseph Haydn ist einer der großen klassischen Humoristen in der Musik. Übermütig, ausgelassen und voller Spaß gestaltete er seine 88. Symphonie. Kurz vor seinen „Londoner“ Orchesterwerken, dem Gipfel seines Schaffens, entstanden, erleben wir schon hier eine bis dato kaum erreichte Fülle an prägnanten Themen. Das ist alles sehr kunstvoll gemacht: Mitunter entwickelt sich aus der Begleitung zu einem Thema gleich das nächste. Und zugleich ist alles selbstverständlich in reinster klassisch-symphonischer Form gehalten.

Nach einer Adagio-Einleitung entwickelt sich im ersten Satz das Hauptthema mit seinen einprägsamen Achtel-Paaren auf einem Ton. Auch ein zweites Thema tritt auf, jedoch erweist sich das erste als sehr dominant. Die weitere musikalische Entwicklung speist sich also meist aus dem zu Anfang ausgebreiteten Material.

Das anschließende Largo beinhaltet ein volkstümliches, sehr gesangliches Thema, das uns die Solo-Oboe zu Beginn vorstellt. Nahezu unverändert taucht dieser Gedanke immer wieder auf, während die Begleitung dazu mehrfach variiert. Und dann eine Überraschung: Plötzlich mischen sich Pauken und Trompeten ein, die bislang noch gar nicht zu vernehmen waren. Bezeichnend, dass der schwerblütige Johannes Brahms gerade diesen vergleichsweise ernsten Satz und nicht etwa die anderen weitaus ausgelasseneren am meisten verehrte.

Der dritte Satz, ein Menuett, ist vollkommen unbeschwert. Auch hier stand die Tanzmusik des Volkes Pate; slowenische Dudelsack-Melodien sind zu vernehmen. Manch Interpret meinte gar, hier präsentiere sich „stolz und selbstbewusst der dritte Stand“. Ebenso volkstümlich ist auch das Finale geprägt, in welchem sich Haydns Humor dann voll entfaltet. Hier erinnert das Hauptthema an das des ersten Satzes.

Die Achtel-Paare im stakkato kommen uns bekannt vor. Und auf einmal entwickelt Haydn mitten in diesem Satz einen Kanon, in dem sich Violinen und Bässe abwechseln.

Ein Finale, das das Ausgelassene überaus kunstvoll mit dem Geistvollen verbindet.