Konzerte & Karten
Abo
Neues
Orchester
Education
     Tickets +49 40 357 666 66
Berg: „Altenberg Lieder“ Op. 4

Alban Berg

* 9. Februar 1885 in Wien, † 24. Dezember 1935 in Wien

Fünf Orchesterlieder Op. 4 nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg

Entstehung: 1912
Uraufführung: 1. März 1913 unter Arnold Schönberg
Spieldauer: ca. 11 Minuten

 

Die Uraufführung von Bergs Altenberg-Liedern brachte es zu einiger Berühmtheit: Das Publikum war außer sich vor Ärger, das Konzert unter der Leitung von Arnold Schönberg musste abgebrochen werden. Wie kam es dazu?

Alles begann damit, dass der Wiener Schriftsteller und Lebemann Peter Altenberg (1859-1919) ein paar Postkarten beschrieb.

„Seele, wie bist du schöner, tiefer nach Schneestürmen“ lautete etwa eine Zeile. Es sind kleine Aphorismen, die Berg dem Freund abnahm und zu einem Zyklus zusammenstellte. Der Schönberg-Schüler orientierte sich bei der Komposition an einer Technik seines Lehrers, indem er die Texte mit Hilfe der „entwickelnden Variation“ bearbeitete – die Motive und Themen sind also in steter Wandlung begriffen. Am 31. März 1913 brachte Schönberg das moderne Werk in Wien zur Uraufführung. Oder vielmehr: Er versuchte es. Denn schon während die ersten Lieder erklangen, brach im Publikum Tumult aus, die Polizei musste einschreiten. Das Konzert ging als „Skandalkonzert“ in die Musikgeschichte ein. Erst Anfang der 1950er Jahre wurden die Lieder komplett aufgeführt.
Berg war tief gekränkt, zumal er erfahren hatte, dass auch Schönberg sein erstes großes Orchesterwerk nicht nur positiv bewertete. Jedoch hatte sich im Publikum wohl auch schon vorher ein beträchtlicher Ärger aufgestaut. Schließlich hatte das Orchester bereits Schönbergs 1. Kammersymphonie sowie Weberns „Sechs Stücke“ gespielt – ebenfalls nicht gerade eingängig für damalige Ohren.

Nach einem kurzen Vorspiel beginnt das erste Lied „Seele, wie bist du schöner“. Trotz der Kürze des Textes, im Grunde sind es nur drei ganze Sätze, breitet Berg die Melodie hier sowie auch in den folgenden Liedern weit aus. Der Grundgestus des Zyklus‘ ist melancholisch-düster. So heißt es etwa: „Leben und Traum vom Leben – plötzlich ist alles aus.“ Oder: „Siehe, hier sind keine Menschen, keine Ansiedlungen. Hier ist Friede!“

In einem spannenden Kontrast stehen die spätromantische Größe des Orchesters und dessen eher spärlicher, kammermusikalischer Einsatz. Bemerkenswert ist zudem, dass Berg hier bereits mit der Zwölftontechnik experimentierte, die sein Lehrer Schönberg „offiziell“ erst zehn Jahre später entwickelte: Etwa im fünften Lied nimmt sich Berg ein Thema, dass aus allen zwölf Tönen der chromatischen Tonleiter besteht. Die Flöte spielt es zu Beginn von „Hier ist Friede...“ langsam und im 3er-Takt einer Passacaglia.