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Beethoven: Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur

Ludwig van Beethoven

* 16. (?; Taufe am 17.) Dezember 1770 in Bonn, † 26. März 1827 in Wien

Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur

Entstehung: 1804-06
Uraufführung: März 1807, Beethoven als Solist
Erstdruck: Wiener Kunst- und Industrie-Comptoirs, 1808
Spieldauer: ca. 32 Minuten

 

Auch bei Beethoven stellt das Orchester das thematische Material vor; erst in Takt 74 kommt die Solostimme voll zur Geltung. Jedoch sollte man nicht die allerersten fünf Takte des Konzertes unterschlagen, in denen das Klavier piano und „dolce“ (süß) die Grundtonart sowie ein Motiv aus drei Auftakt-Achteln samt anschließender Sekunde präsentiert. Auch wenn die Solostimme das Geschehen anschließend wieder ganze 70 Takte lang dem Orchester überlässt – es ist überhaupt das erste Mal in der Musikgeschichte, dass der Solist ganz allein ein Instrumentalkonzert eröffnet. Dies ist bemerkenswert: Die Solostimme „versorgt“ das Orchester also mit dem Motiv-Material, sie ist Ton-angebend.

Und auch was nach Takt 74 folgt, hat mit der Bachschen Einheit von Solist und Orchester nicht mehr viel zu tun: Das Klavier nimmt sich das Motiv vom Beginn, um daraus recht freie schnelle Läufe zu entwickeln, die nur hier und da vom Orchester akkordisch unterstützt werden. Hiernach tritt das Klavier mitunter dienend zurück: Wenn Streicher oder Bläser die Arbeit am thematischen Material übernehmen, umspielt das Klavier diese zart und fein – und es sind vor allem diese Passagen, die dem Konzert den Ruf eines lyrisch-idyllischen Werkes eingebracht haben. Doch das Allegro moderato endet mit einer ausführlichen Kadenz.

Im zweiten, recht dunklen Satz wird Beethovens Vorstellung des klassischen Instrumentalkonzertes am deutlichsten. Denn hier gibt es kaum einen Takt, in dem Solostimme und Tutti gemeinsam auftauchen. Viele Noten sind es nicht; in der Partitur macht das Andante con moto nur wenige Seiten aus, so langsam und dunkel ist sein Charakter. Doch die Rollenverteilung ist klar: Während das Orchester für einen energisch-düsteren Eindruck in tiefen Lagen zuständig ist, beschwichtigt das Klavier mit sanften Einwürfen die Stimmung. Ganz anders als bei Bach ist die Solostimme hier tatsächlich individuell und emanzipiert.

Da wirkt es angenehm harmonisch, wenn im dritten Satz Solist und Orchester mit sprühender Lebhaftigkeit wieder zueinander finden und sich in den Dienst von etwas Höherem stellen. Es ist eine folgerichtige Entwicklung vom zweiten zum dritten Satz: In Anlehnung an Immanuel Kant war Beethoven der Meinung, dass der Einzelne mit seiner Moral durchaus besänftigend auf die Gesellschaft einwirken könne, so dass Harmonie einkehre.