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Bach: Violinkonzert a-Moll BWV 1041

Gustav Mahler

* 21. März 1685 in Eisenach, † 28. Juli 1750 in Leipzig

Violinkonzert a-Moll BWV 1041

Entstehung: vermutlich um 1720, revidiert um 1730
Erstdruck: posthum
Spieldauer: ca. 16 Minuten

 

Fragt man Historiker nach dem zentralen Merkmal der neuzeitlichen Geschichte, so nennen viele die Individualisierung: Der Einzelne emanzipiert sich von Kirche, Tradition und Familie und verschafft so seiner Stimme Gehör. Dass wir heute etwa über Primarschule, Netzrückkauf oder Hafenseilbahn abstimmen können, dass also die Stimme jedes Einzelnen in der noch recht jungen „direkten Demokratie“ zählt, hat eine lange Vorgeschichte: Eine Vorgeschichte der Demokratisierung – die ihre Spuren auch in der Musik hinterlassen hat.

Denn wenn in einem Instrumentalkonzert Solist und Orchester auftreten, ist der Eindruck, man habe es hier mit einem Individuum und einer Gesellschaft zu tun, oft unvermeidlich. Und entsprechend der neuzeitlichen Individualisierung erkämpft sich die Solostimme mehr und mehr Freiheiten.

Bei Bach bilden Solist und Orchester noch weitgehend eine Einheit. In seinem Violinkonzert a-Moll, dem ersten der drei überlieferten, sorgen sie gemeinsam dafür, dass die beeindruckende Fülle an Einfällen besonders gut zur Geltung kommt. Indem Bach die Solound Tutti-Abschnitte eng verzahnt und nicht nur (wie sein Vorgänger Vivaldi) nebeneinander stellt, überwiegt der Eindruck eines trauten Zusammenspiels.

Den ersten Satz eröffnen alle Musiker im Tutti. Gemeinsam wird das Hauptthema vorgestellt, welches in diesem Allegro immer wieder – sei es in Teilen – als Materialfundus dient. Erst in Takt 24 tritt die Solo-Violine hervor. Später ist die Violine immer wieder als Solostimme erkennbar, sie steht aber niemals in Opposition zum Orchester. Individuum und Gesellschaft stellen sich in den Dienst einer höheren Sache, in diesem Fall der Musik.

So auch im langsamen zweiten Satz. Dieser erhält seine Struktur vom basso continuo, also vom Generalbass, dem stabilen Grund der Orchester-„Gesellschaft“: Eine ostinate, also eine sich stets wiederholende Figur aus drei punktierten Achteln auf einer Tonhöhe samt kurzer Abschluss-Verzierung sorgt für eine Basis, die die Solostimme als Fundament für ihren ausdrucksvollen Gesang nutzt. Das Allegro Assai klingt dann mit einem flotten 9/8-Takt aus: Eine festliche Gigue samt Fugen-Elementen, die dem Solisten – hier ausnahmsweise kurz mit individueller Stimme – Gelegenheit zum virtuosen Glänzen bietet.