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Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“

Franz Schubert

* 31. Januar 1797 in Lichtenthal bei Wien, † 19. November 1828 in Wien

„Der Tod und das Mädchen“, Streichquartett d-Moll Nr. 14, 1. Satz: Allegro

Entstehung: 1824
Uraufführung: Februar 1826 Wien (priv.), März 1833 Berlin (öff.)
Erstdruck: 1829, Verlag Josef Czerny
Spieldauer: 10-15 Minuten

 

Krasser könnte der Gegensatz nicht sein: Hier das junge Mädchen, das wohl bald als junge Frau Leben schenken wird. Und da der alte Sensenmann, der das Leben nimmt. „Der Tod und das Mädchen“ ist ein sowohl in der Bildenden Kunst als auch in der Literatur weit verbreitetes Motiv.

Der Titel von Schuberts Streichquartett geht indirekt auf ein gleichnamiges Gedicht zurück, das Matthias Claudius Ende des 18. Jahrhunderts schrieb. 1817 vertonte Schubert diese Verse als Lied und nutzte eine Melodie daraus dann für den zweiten Satz seines Quartetts. Bemerkenswert ist, dass Claudius den Tod nicht nur als bedrohlich schilderte: Zwar ruft das Mädchen: „Geh, wilder Knochenmann!“. Doch dieser entgegnet: „Bin Freund und komme nicht zu strafen.“ Seine Aufforderung zur Hingabe ist geradezu zärtlich: „Sollst sanft in meinen Armen schlafen.“ Vielleicht wäre genau dies eine durchaus zweckmäßige Art, mit dem Tod freundschaftlichen Umgang zu pflegen. Eine Art, die wir fast vergessen haben: Allzu gern versuchen wir, uns mit Geschäftigkeit von der Angst vor dem Ende abzulenken, anstatt uns mit dem Unvermeidlichen abzufinden. (Und es ist zugleich eine Sichtweise, die uns Mahlers 9. Symphonie näher bringen kann.)

Man sollte zwar nicht den Fehler machen, Schuberts Quartett als Eins-zu-eins-Vertonung von Claudius‘ Gedicht zu hören. Was
 in diesem Werk, dessen ersten Satz Adrian Iliescu (1. Violine), Satoko Koike (2. Violine), Bruno Merse (Viola) und Arne-Christian Pelz (Violoncello) zu Gehör bringen, dennoch auffällt, ist die düstere bis trotzige Grundstimmung – die manch Interpret als Spannung zwischen Sein und Vergehen deutete. Bereits in der Einleitung tritt ein kleines, aber markantes Motiv auf, das für die weitere Satzentwicklung wegweisend ist: Eine Triole, die in Sekundschritten abwärts führt. Die erste Violine nimmt sich sodann ein energischdunkles Thema mit vielen halben Noten und ohne große Intervalle vor, das vor allem mit seiner ausgeklügelten Dynamik Eindruck macht. Im Pianissimo erklingt etwas später ein zweiter sanfterer, hellerer Gedanke. Wer mag, kann beide Themen als „Tod“ und „Mädchen“ hören.

Der Satz verklingt mit dissonanten Vorhalten, leise hingeworfenen Akkorden und dem Triolenmotiv in tiefer Lage – die Ähnlichkeit mit dem Schluss von Mahlers Neunter ist deutlich.