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Strauss: Konzert für Oboe

Richard Strauss

* 11. Juni 1864 in München, † 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen

Konzert für Oboe und kleines Orchester

Entstehung: 1945
Uraufführung: 26. Februar 1946 in Zürich
Widmung: Tonhalle-Orchester Zürich und dessen Leiter Volkmar Andreae
Spieldauer: ca. 24 Minuten

 

Mit Komponisten-Anekdoten sollte man vorsichtig sein. Schon so manche Legende wurde erst posthum um ein Werk gestrickt; so mancher Ausspruch hinzugedichtet. Die biografische Initialzündung für Strauss‘ Oboenkonzert ist jedoch sehr wahrscheinlich nicht erfunden. Und auch angenommen, sie wäre es – diese Anekdote ist für das Werk und seine Entstehungszeit so treffend, dass sie dennoch etwas „Wahres“ hätte.

Es war der 30. April 1945, ausgerechnet der Tag von Hitlers Selbstmord also, als amerikanische Truppen in Garmisch eintrafen. Wie andernorts wurden Häuser zur Unterbringung beschlagnahmt. Als die Soldaten an die Tür von Strauss‘ Villa klopften, gab er ihnen zu verstehen, dass er der Komponist des „Rosenkavalier“ und der „Salome“ sei. Ein 24-jähriger Offizier mit Namen John de Lancie war zufällig Oboist im Pittsburgh Symphony Orchestra. Er erklärte umgehend, die Villa sei nicht zu beschlagnahmen. Strauss bat die Gäste ins Haus, bewirtete sie und gab viele Autogramme – wie bereits 1933 ließ er sich also kurzerhand auf die neuen Herrscher ein. De Lancie nutzte die Gelegenheit und fragte sein Idol, ob er jemals daran gedacht habe, ein Konzert für Oboe zu schreiben. Strauss verneinte – und machte sich einige Zeit später doch an die Arbeit. Im Oktober 1945 war das Werk vollendet.

Diese Anekdote beinhaltet alles, was für das Konzert kennzeichnend ist: Mit dem 30. April 1945 ist die Welt eine andere; die Amerikaner in Garmisch können für Strauss, der mit den Nazis zuvor in wechselvoller Beziehung stand, nichts anderes als einen radikalen Neuanfang symbolisiert haben. Ein Aufbruch also, der zudem mit einem Gespräch über Kultur begann!

Im Gegensatz zu Strauss‘ zuvor entstandenen, düsteren „Metamorphosen“ bietet dieses Oboenkonzert einen echten, weil heiteren, zukunftsfrohen Aufbruch – der im Blick zurück seine Kraft schöpft. Die Amerikaner mussten kommen, um Strauss an den unermesslichen Wert der deutschen Musikkultur zu erinnern: So schuf er ein Werk, das viel mehr mit Mozart zu tun hat als mit seinem eigenen Œuvre. Der Charakter ist klassisch-romantisch, die ersten drei Sätze gehen ineinander über, nur vor dem letzten Satz steht eine kleine Zäsur. Alles fließt, die Solostimme wird mitunter freundlich vom Solo-Cello oder der Solo-Bratsche unterstützt. Die feinen bis kunstvollen Themen könnten aus Mozarts Feder stammen. Es ist ein aufschlussreiches, beglückendes Zeitzeugnis: Eben der Aufbruch eines 81-Jährigen.