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Strauss: Don Quixote

Richard Strauss

* 11. Juni 1864 in München, † 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen

Don Quixote Op. 35, Phantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters

Entstehung: 1896-97
Uraufführung: 8. März 1898 in Köln
Erstdruck: Aibl 1898
Widmung: Joseph Dupont
Spieldauer: ca. 40 Minuten

 

„Alles Leben, zumindest alles menschliche, ist unmöglich ohne Ideal...“, meinte der spanische Kulturphilosoph José Ortega y Gasset. Die wohl bekannteste Figur der spanischen Literatur, der Don Quixote von Miguel de Cervantes, lebt nach diesem Motto: Auch wenn er mit seinen unzeitgemäßen RitterIdealen scheitert – er lebt seinen aus Romanen zusammen gelesenen Traum. Erst kurz vor seinem Tod resigniert er: Das Leben ohne Fantasie und Idealen hat keinen Sinn. Die „ideale“ Welt gehört der Vergangenheit an. Das ist die große Tragik des Ritters von der traurigen Gestalt.

Die Ironie dabei: Ohne die Ideale, ohne den Wahnsinn Don Quixotes wäre die Weltliteratur um ein zentrales Werk ärmer. Denn seine unzeitgemäßen Eigenschaften bringen ja erst die Handlung voran. Und ohne sie fehlte uns zudem ein ziemlich unglaubliches Werk der Musikgeschichte. Unglaublich deshalb, weil die Strausssche Fülle an Themen, Variationen und lautmalerischen Einfällen einfach nur staunen macht. Strauss stellt uns den idealistischen Don Quixote (im Solocello und in der Solovioline), dessen bauernschlauen Gefährten Sancho Panza (in der Solobratsche sowie in der Tenortuba und in der Bassklarinette) und die schöne Dulcinea jeweils mit mehreren Themen vor – und variiert diese immer und immer wieder. Damit führt er die hergebrachte Variationstechnik ins Extrem.

 Wir erleben Don Quixote in den ersten Takten der Introduktion: Gleich drei verschiedene Themen beschreiben dort seinen komplexen Charakter. Später „hören“ wir ihn beim Wahnsinnigwerden und im Kampf gegen eine Windmühle. Schafen blöken, wir „hören“ hässliche und schöne Frauen, erleben ein durch die Luft reitendes Pferd, einen Drachenkampf sowie eine Kahnfahrt samt Kentern und Rettung aus den Fluten. Die Tuba lässt Sancho Panza gar schnarchen. Und schließlich stirbt Don Quixote in Ruhe, bei klarem Verstand (die Dissonanzen werden aufgelöst), endlich in Kontakt mit der Realität, aber resigniert und bar seines vorigen Revolutionsgeistes.

Das alles ist in der Musik, die den Höhepunkt von Strauss‘ sinfonischen Dichtungen bedeutete. Doch es bleibt nicht etwa bei einer Aneinanderreihung von Ideen und Variationen. Das Werk ist mehr als die Summe seiner Teile: Aus der Programmwird somit paradoxerweise absolute Musik, eben weil sie – in ihrer erhabenen Größe oft undeutbar – ganz für sich allein stehen kann.